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	<title>Der besondere Fall Archive - DAEM</title>
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	<description>Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin</description>
	<lastBuildDate>Mon, 23 Feb 2026 11:33:06 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Der besondere Fall Archive - DAEM</title>
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		<title>Der besondere Fall &#8211; Mangelernährung bei Pankreaskarzinom</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Steinebrunner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 09:36:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der besondere Fall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Patientendaten: Geschlecht: weiblich Alter: 72 Jahre Beruf: Rentnerin Aktivität: 1×/Woche Physiotherapie Nikotin: aktiv, 75 Pack-Years Alkohol: nein Anthropometrie bei Erstvorstellung: 163 cm, 49 kg, BMI 18,4 kg/m², Gewichtsverlust ca. 15 kg in 3 Monaten (&#62;10 %) Anamnese/ Fallbeschreibung: Die Patientin [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Patientendaten:</strong></h5>
<ul>
<li>Geschlecht: weiblich</li>
<li>Alter: 72 Jahre</li>
<li>Beruf: Rentnerin</li>
<li>Aktivität: 1×/Woche Physiotherapie</li>
<li>Nikotin: aktiv, 75 Pack-Years</li>
<li>Alkohol: nein</li>
<li>Anthropometrie bei Erstvorstellung: 163 cm, 49 kg, BMI 18,4 kg/m², Gewichtsverlust ca. 15 kg in 3 Monaten (&gt;10 %)</li>
</ul>
<h5><strong>Anamnese/ Fallbeschreibung:</strong></h5>
<p>Die Patientin wurde aus einem externen Klinikum in unser Tumorzentrum überwiesen. Dort war sie initial notfallmäßig aufgenommen worden. Anamnestisch bestanden seit etwa drei Monaten Schwindel, Appetitmangel, Diarrhöen und ein ungewollter Gewichtsverlust (≈ 15 kg). Der Rettungsdienst wurde alarmiert, nachdem die Patientin aufgrund zunehmender Schwäche zu Hause gestürzt war und nicht mehr selbstständig aufstehen konnte.</p>
<p>In der externen Diagnostik (ÖGD/EUS) zeigte sich eine Raumforderung im Pankreaskopf mit vorgeschalteter Dilatation des pankreatikobiliären Gangsystems und präpapillärem Gangabbruch. Die im Rahmen der EUS entnommene Biopsie ergab histopathologisch lediglich unauffällige intestinale Zylinderepithelien ohne Hinweis auf Malignität. Zur weiteren Abklärung und operativen Versorgung erfolgte die Zuweisung an unser Zentrum.</p>
<p>Relevante Komorbiditäten waren eine Refluxkrankheit, ein insulinpflichtiger Diabetes mellitus Typ 2 sowie eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).</p>
<h5><strong>Befunde und Diagnosen:</strong></h5>
<p>Der Fall wurde interdisziplinär im Tumorboard diskutiert. Bei weiterhin auf Basis der Bildgebung bestehendem Malignitätsverdacht wurde eine operative Exploration mit ggf. pyloruserhaltender Pankreaskopfresektion empfohlen. Die Operation wurde komplikationslos durchgeführt und der Tumor konnte vollständig reseziert werden. Intraoperativ wurde präemptiv ein Jejunalkatheter zur enteralen Ernährung angelegt.</p>
<p>Postoperativ kam es zu einem schweren komplikativen Verlauf. Die Patientin entwickelte am 2. postoperativen Tag eine progrediente Ruhedyspnoe und Tachykardie mit respiratorischer Erschöpfung. Ein CT schloss eine Lungenarterienembolie aus. Laborchemisch zeigte sich jedoch ein Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI). In der Koronarangiographie fand sich eine hochgradige Stenose der rechten Koronararterie, sodass eine Stentimplantation erfolgte.</p>
<p>Im weiteren Verlauf entwickelte die Patientin bei bekannter pAVK eine Beinischämie rechts. Trotz mehrfacher interventioneller und gefäßchirurgischer Maßnahmen musste letztlich eine Oberschenkelamputation rechts durchgeführt werden. Zusätzlich trat eine akute Armischämie rechts auf, die interventionell erfolgreich behandelt werden konnte.</p>
<p>Die Behandlungen erfolgten im Rahmen eines langen intensivmedizinischen Aufenthalts, gefolgt von einem mehrwöchigen Aufenthalt auf Normalstation. Während des Intensivaufenthalts kam es zu einem weiteren Gewichtsverlust von etwa 5 kg. Auf Normalstation wurde der Kostaufbau unter medikamentöser Unterstützung fortgeführt. Neben der selbstständigen oralen Nahrungsaufnahme wurde die Patientin enteral über den Jejunalkatheter unterstützt und ernährungstherapeutisch begleitet. Darunter konnte das Gewicht stabilisiert werden.</p>
<h5><strong>Ernährungstherapeutische Intervention:</strong></h5>
<p>Zum Zeitpunkt der Verlegung auf die Normalstation wog die Patientin 44 kg (bei Aufnahme 49 kg) bei einer Körpergröße von 1,63 m (BMI 17,7 kg/m²). Im Screening zeigte sich ein NRS von 5 und damit ein Hochrisiko für eine Energie- und Proteinmangelernährung. Anhand der GLIM-Kriterien wurde eine schwere Mangelernährung diagnostiziert.</p>
<p>Es erfolgte eine ausführliche Beratung zum Kostaufbau mit anschließender Umstellung auf die angepasste Vollkost. Empfohlen wurden mehrere kleine, energie- und proteinreiche Mahlzeiten über den Tag verteilt, langsames Essen sowie sorgfältiges Kauen. Zudem wurde die Pankreasenzymtherapie hinsichtlich Einnahme und Dosierung erläutert. Für den Fall eines weiteren Gewichtsverlustes wurde  dem behandelnde Ärzteteam die Verordnung einer hochkalorischen Trinknahrung (z. B. Fortimel Extra) empfohlen.</p>
<p>Ergänzend wurde eine enterale Ernährung über den intraoperativ angelegten Jejunalkatheter mit Nutrison begonnen (2 Beutel à 500 ml/Tag, entsprechend ca. 1000 kcal).</p>
<h5><strong>Zusammenfassung/Schlussfolgerung:</strong></h5>
<p>Dieser Fall illustriert, wie stark ein kachektischer bzw. schwer mangelernährter Ausgangszustand den perioperativen Verlauf beeinflussen kann.</p>
<p>Hier zeigt sich die zentrale Bedeutung eines frühzeitigen und standardisierten Screenings der tumorassoziierten Mangelernährung. Tumorkachexie ist häufig, prognostisch relevant und wird dennoch weiterhin unterschätzt. Schätzungen zufolge sind etwa 30 % aller onkologischen Patientinnen und Patienten betroffen; bei hepatopankreatikobiliären Tumoren liegt die Prävalenz sogar bei bis zu 80 % [1].</p>
<p>Ein strukturiertes Vorgehen umfasst zunächst ein Screening, beispielsweise mittels Nutritional Risk Score (NRS-2002). In einer aktuellen Metaanalyse zeigte sich, dass mehrere ernährungsmedizinische Scores – darunter der NRS-2002 – signifikant mit der Gesamtmortalität beim Pankreaskarzinom assoziiert sind [2]. Nach einem auffälligen Screening sollte ein weiterführendes Assessment anhand der GLIM-Kriterien erfolgen [3]. Diese ermöglichen eine standardisierte Diagnose der Mangelernährung durch die Kombination phänotypischer Kriterien wie ungewolltem Gewichtsverlust, niedrigem BMI oder reduzierter Muskelmasse mit ätiologischen Faktoren wie inflammatorischer Aktivität (z. B. Tumorerkrankung) oder verminderter Nahrungsaufnahme.</p>
<p>Für verschiedene Tumorentitäten konnte in randomisiert-kontrollierten Studien gezeigt werden, dass multimodale Konzepte aus Physiotherapie und Ernährungsinterventionen die Rate postoperativer Komplikationen senken und die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern [4-6]. Allerdings scheint die Patientenselektion entscheidend zu sein. Während sich bei onkologischen Patientinnen und Patienten perioperative Effekte zeigen, konnte ein multimodales Konzept bei älteren, gebrechlichen Patientinnen und Patienten vor elektiven nicht-kardiochirurgischen Eingriffen die Komplikationsrate nicht reduzieren [7].</p>
<p>Zusammenfassend zeigt dieser Fall, dass eine strukturierte ernährungsmedizinische Betreuung sowohl prä- als auch postoperativ relevant ist. Bei Risikopatientinnen oder -patienten sollte intraoperativ an die Anlage eines enteralen Ernährungszugangs (z. B. Jejunalkatheter) gedacht werden. Es bleibt aber eine Herausforderung, gefährdete Patientinnen und Patienten frühzeitig ernährungstherapeutisch zu evaluieren. Ebenso ist die Balance zwischen onkologischer Dringlichkeit und präoperativer Optimierung oft schwierig. Geeignet für eine Prähabilitation sind daher Situationen mit neoadjuvantem Therapiekonzept. Diese Phase bietet die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten ernährungsmedizinisch und funktionell zu stabilisieren, ohne die onkologische Therapie wesentlich zu verzögern. Voraussetzung hierfür ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Onkologie, Ernährungsteam und Physiotherapie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h5>Fall eingereicht von:</h5>
<p><strong>Dr. med. Christian Stöß</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<h5><strong>Literatur:</strong></h5>
<ol>
<li>Tan, Y., et al., <em>Cancer cachexia: molecular basis and therapeutic advances.</em> Signal Transduct Target Ther, 2026. <strong>11</strong>(1): p. 16.</li>
<li>Yu, M., et al., <em>Prognostic potential of nutritional risk screening and assessment tools in predicting survival of patients with pancreatic neoplasms: a systematic review.</em> Nutr J, 2024. <strong>23</strong>(1): p. 17.</li>
<li>Cederholm, T., et al., <em>GLIM criteria for the diagnosis of malnutrition &#8211; A consensus report from the global clinical nutrition community.</em> Clin Nutr, 2019. <strong>38</strong>(1): p. 1-9.</li>
<li>Molenaar, C.J.L., et al., <em>Effect of Multimodal Prehabilitation on Reducing Postoperative Complications and Enhancing Functional Capacity Following Colorectal Cancer Surgery: The PREHAB Randomized Clinical Trial.</em> JAMA Surg, 2023. <strong>158</strong>(6): p. 572-581.</li>
<li>Berardi, G., et al., <em>Prehabilitation With Exercise and Nutrition to Reduce Morbidity of Major Hepatectomy in Patients With Sarcopenia: The PREHEP Randomized Clinical Trial.</em> JAMA Surg, 2025. <strong>160</strong>(10): p. 1068-1075.</li>
<li>Smyth, E., et al., <em>Preoperative Exercise to Improve Fitness in Patients Undergoing Complex Surgery for Cancer of the Lung or Esophagus (PRE-HIIT): A Randomized Controlled Trial.</em> Ann Surg, 2025. <strong>282</strong>(5): p. 690-698.</li>
<li>McIsaac, D.I., et al., <em>Home-Based Prehabilitation for Older Surgical Patients With Frailty: A Randomized Clinical Trial.</em> JAMA Surg, 2025.</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Der besondere Fall &#8211; Spinale Muskelatrophie</title>
		<link>https://daem.de/der-besondere-fall-sma/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Steinebrunner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 13:01:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der besondere Fall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Patientendaten: Geschlecht: Männlich Alter: 49 Jahre Beruf: Softwareentwickler Sport: 1x/Woche Physiotherapie Kein Raucher Trinkt gelegentlich Alkohol Anamnese/ Fallbeschreibung: Bei Herrn M. wurde im Alter von 13 Jahren eine Spinale Muskelatrophie (SMA) Typ 3 diagnostiziert. Die progrediente neuromuskuläre Erkrankung machte sich [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Patientendaten:</strong></h5>
<ul>
<li>Geschlecht: Männlich</li>
<li>Alter: 49 Jahre</li>
<li>Beruf: Softwareentwickler</li>
<li>Sport: 1x/Woche Physiotherapie</li>
<li>Kein Raucher</li>
<li>Trinkt gelegentlich Alkohol</li>
</ul>
<h5><strong>Anamnese/ Fallbeschreibung:</strong></h5>
<p>Bei Herrn M. wurde im Alter von 13 Jahren eine Spinale Muskelatrophie (SMA) Typ 3 diagnostiziert. Die progrediente neuromuskuläre Erkrankung machte sich bereits einige Jahre zuvor bemerkbar, da die Mitschüler im Sportunterricht häufig schneller waren, während seine Oberschenkelmuskeln bereits nach kurzer Zeit ermüdeten. Heute ist Herr M. zwar noch gehfähig, doch längere Strecken legt er mit dem Elektromobil zurück (elektrisch betriebenes Fahrzeug für mobilitätseingeschränkte Personen). Die Kraftlosigkeit nahm im Verlauf auch im Bereich der Arme zu. Die Kau- und Schluckmuskulatur ist nicht betroffen.</p>
<p>Herr M. ist noch in der Lage seine Mahlzeiten selbstständig einzukaufen und zuzubereiten. Er ernährt sich omnivor, doch präferiert hin und wieder vegane Produkte (z.B. Hafermilch, Sojajoghurt, ..).</p>
<p>Nach dem Nutritional Risk Screening (NRS 2002) besteht bei Herrn M. keine Risiko für eine Mangelernährung.</p>
<h5><strong>Befunde und Diagnosen:</strong></h5>
<p>Herr M. hat zeit seines Lebens einen BMI im Normbereich, aktuell von 23,2 kg/m<sup>2</sup> (Größe: 1,87 m; Gewicht: 81 kg). Die BIA-Analyse zeigt jedoch ein ungünstiges Verhältnis von Fett- zu Skelettmuskelmasse:</p>
<ul>
<li>Phasenwinkel: 3,1°</li>
<li>Fettmasse: 24,2 kg und 29,8 % vom Gesamtkörpergewicht</li>
<li>Skelettmuskelmasse (ASMM): 21,2 kg</li>
<li>Skelettmuskelmasse-Index (ASMI): 5,7 kg/m<sup>2</sup></li>
</ul>
<p>Nach den überarbeiteten Grenzwerten der „European Working Group on Sarcopenia in Older People“ (EWGSOP2) erfüllt Herr M. mit einem ASMI von unter 7 kg/m<sup>2</sup> in Kombination mit der vorhandenen Muskelschwäche die Kriterien für eine Sarkopenie, in seinem Falle aufgrund der SMA.<strong><sup>1</sup></strong></p>
<p>Die Blutwerte zeigen eine 25-Hydroxy-Vitamin D3-Serumkonzentration von 21,2 ng/ml.</p>
<p>Mittels Knochendichtemessung (DXA) im Rahmen der Regelversorgung bei SMA wurde eine Osteoporose im rechten proximalen Femur diagnostiziert:</p>
<ul>
<li>T-Score gesamt: -1,6</li>
<li>T-Score rechter Femur: -3,0</li>
</ul>
<p>Ein 7-tägiges Ernährungsprotokoll zeigt eine Proteinaufnahme von ca. 0,7 g/kg Körpergewicht sowie eine Calciumaufnahme von ca. 550 mg pro Tag.</p>
<p>Herr M. wird für die SMA alle 4 Monate intrathekal mit Spinraza behandelt.</p>
<h5><strong>Ernährungstherapeutische Intervention:</strong></h5>
<p>Herr M. hat nach BMI zwar Normgewicht, doch zeigt die BIA-Analyse eine zu hohe Fettmasse, wobei diese besonders viszeral vorliegt. Zudem wurde eine Osteoporose diagnostiziert, welche in Zukunft medikamentös behandelt wird.</p>
<p><strong>Energiebedarf nach BIA-Analyse</strong>:</p>
<ul>
<li>Ruheenergieumsatz: 1780 kcal (nach Harris-Benedict)</li>
<li>Gesamtenergieumsatz: 2314 kcal (mit PAL 1,3)</li>
</ul>
<p><strong>Ziele der Ernährungstherapie</strong>:</p>
<ul>
<li>Reduktion der Körperfettmasse</li>
<li>Erhalt der Skelettmuskelmasse</li>
<li>Ernährungsempfehlungen zur begleitenden Therapie der Osteoporose</li>
<li>Alkoholreduktion/-verzicht</li>
</ul>
<p><strong>Reduktion der Körperfettmasse:</strong></p>
<p>Stufenweise Kcal-Restriktion auf zunächst 2100 kcal. Es konnte nach einigen Wochen keine Gewichtsabnahme festgestellt werden, weshalb auf 1900 kcal reduziert wurde. Auch hier kaum Gewichtsverlust. Erst bei 1800 kcal pro Tag zeigte sich eine Gewichtsabnahme mit Reduktion der Körperfettmasse nach erneuter BIA-Analyse.</p>
<p>Dazu erhöhte Herr M. seine sportliche Tätigkeit im Rahmen seiner Möglichkeiten durch eine zusätzliche Physiotherapiestunde sowie Aquagymnastik einmal pro Woche.</p>
<p><strong>Erhalt der Skelettmuskelmasse</strong>:</p>
<p>Die tägliche Proteinmenge wurde auf mind. 0,8g/kg Körpergewicht gesteigert, um die verbleibende Skelettmuskelmasse zu erhalten.</p>
<p><strong>Ernährungstherapie Osteoporose</strong>:</p>
<p>Steigerung des Vitamin-D-Blutspiegels auf mindestens 30 ng/ml über Supplementation in Kombination mit vermehrtem Aufenthalt im Freien zwischen April und September.<strong><sup>2</sup></strong></p>
<p>Steigerung der Calciumaufnahme über calciumreiche Lebensmittel (z.B. Milchprodukte, Brokkoli, Grünkohl) auf die empfohlene Tagesdosis von 1000 mg. Herr M. achtete stark darauf mehr calciumreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen. Er präferiert nun den Kuhmilch-Joghurt und ist von Hafermilch auf Sojamilch umgestiegen, welche mit Calcium angereichert ist. Dazu kauft er ab und zu calciumreiches Mineralwasser, wobei er Leitungswasser präferiert, da dies seine Armmuskulatur verglichen mit den schweren Glasflaschen weniger beansprucht. An den Tagen, wo die Deckung des Tagesbedarfs über die Ernährung nicht möglich ist supplementiert er Calcium.<strong><sup>2</sup></strong></p>
<p>Die Kontrolle der Vitamin-D-Blutspiegels sowie die Überwachung der Calciumzufuhr sollte mindestens jährlich erfolgen.<strong><sup>2</sup></strong></p>
<p><strong> </strong><strong>Zusammenfassung/Schlussfolgerung:</strong></p>
<p>Herr M. konnte im Verlauf der Behandlung seine Körperfettmasse von initial 29,8 auf 23 % reduzieren. Die Gewichtsreduktion konnte erst bei einer täglichen Zufuhr von ca. 1800 kcal erreicht werden, was weniger als erwartet war. Doch gerade bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen zeigt sich in der Praxis häufig, dass die Berechnung des Ruheenergieumsatzes &#8211; unabhängig davon welche Formel man nutzt &#8211; überschätzt wird. Die niedrige Skelettmuskelmasse ist ein großer Faktor, der zu einem niedrigeren Energiebedarf führt. Ebenso sollte von einem zu starken Energiedefizit abgesehen werden (Stichwort Crash Diäten), um einem Verlust der Muskelmasse unbedingt vorzubeugen. Hier muss vorsichtig vorgegangen werden, um die individuell richtige Kcal-Menge herauszufinden, die eine Körperfettreduktion ermöglicht, aber gleichzeitig die Muskelmasse erhält. Dazu muss selbstverständlich auf eine Deckung des täglichen Proteinbedarfs geachtet werden, was in diesem Patientenspektrum eine der wichtigsten Ernährungsempfehlungen ist.</p>
<p>Bei seinen sportlichen Aktivitäten achtet Herr M. darauf seine Muskeln nicht bis zur Ermüdung zu beanspruchen, da Muskelkater im Rahmen einer neuromuskulären Erkrankung unbedingt zu vermeiden ist. Trotzdem ist die Ausübung einer sportlichen Betätigung, unabhängig davon wie ausgeprägt diese stattfinden kann, sehr wichtig. Gerade Patienten, die nicht mehr gehfähig sind, sollten unbedingt Bewegung im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbauen, um eine mögliche Fettmasseabnahme zu erleichtern (hier gibt es meist weniger Spielraum in der Kcal-Reduktion).</p>
<p>Das Risiko einer Osteoporose ist aufgrund der Immobilität und möglicherweise auch aufgrund krankheitsspezifischer physiologischer Mechanismen bei einer neuromuskulären Erkrankung ebenso erhöht.</p>
<p>In der Ernährungstherapie von Herrn M. galt es die Fettmasse zu normalisieren, die Muskeln durch ausreichende Proteinaufnahme zu erhalten, die Osteoporose begleitend ernährungstherapeutisch zu behandeln sowie individuelle Faktoren (wie Kau- und Schluckstörungen, verzögerte Magenentleerung, Reflux, Obstipation), welche häufig bei neuromuskulär Erkrankten vorkommen, zu beachten.</p>
<p>Ebenso wichtig sind eine detaillierte Anamnese zum Gesundheitszustand, Ressourcen im Umfeld (Familie, Freunde, Pflegepersonal) und zu körperlichen Fähigkeiten (Kochen, Einkaufen, ..), um zu ermitteln welche Empfehlungen umsetzbar sind.</p>
<p>Herr M. freut sich, neben den erwünschten gesundheitlichen Vorteilen der Ernährungstherapie, vor allem darüber, dass ihm nun Alltagsaktivitäten leichter fallen. Auch wenn der Muskelmassenverlust irreversibel ist, muss Herr M. nun weniger Gewicht mit seiner verbliebenen Muskelkraft tragen, wodurch eine verbesserte Mobilität erreicht werden konnte.</p>
<h5>Fall eingereicht von:</h5>
<p><strong>Daniela Grote, ZEP München</strong></p>
<h5><strong>Literatur:</strong></h5>
<p>Cruz-Jentoft A, Bahat G et al.: Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age and Ageing. 2018 Sep 24;48(1):16–31. doi: 10.1093/ageing/afy169</p>
<p>Birnkrant D, Bushby K et al.: Diagnosis and management of Duchenne muscular dystrophy, part 1: diagnosis, and neuromuscular, rehabilitation, endocrine, and gastrointestinal and nutritional management. Lancet Neurol. 2018 Feb 3;17(3):251–267. doi: 10.1016/S1474-4422(18)30024-3</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der besondere Fall &#8211; chronische Entzündungen</title>
		<link>https://daem.de/der-besondere-fall-chronische-entzuendungen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Steinebrunner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Aug 2025 08:09:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der besondere Fall]]></category>
		<category><![CDATA[chronische Entzündungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Patientendaten: Patientin:  weiblich, verheiratet Geb.: 14. März 1972 Beruf: Sachbearbeiterin in Anwaltskanzlei Nikotin: 5 –6 Zigaretten/d, Alkohol: gelegentlich ein Glas Wein, Körperliche Aktivität: Gelegentlich am Wochenende Radfahren &#160; Anamnese/ Fallbeschreibung: Eine Rheumatoide Arthritis wurde vor 10 Jahren diagnostiziert, seither mit [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Patientendaten:</strong></p>
<p>Patientin:  weiblich, verheiratet</p>
<p>Geb.: 14. März 1972</p>
<p>Beruf: Sachbearbeiterin in Anwaltskanzlei</p>
<p>Nikotin: 5 –6 Zigaretten/d, Alkohol: gelegentlich ein Glas Wein,</p>
<p>Körperliche Aktivität: Gelegentlich am Wochenende Radfahren</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anamnese/ Fallbeschreibung:</strong></p>
<p>Eine <strong>Rheumatoide Arthritis</strong> wurde vor 10 Jahren diagnostiziert, seither mit MTX, derzeit 25 mg /Woche i.m. unzureichend kontrolliert. Schubförmige Arthritiden betrafen die Grundgelenke der Finger und Zehen 1-3. Ergometrisch wurde sie beraten und hat die notwendigen Hilfsmittel, so dass sie die Hauarbeit meist bewältigen kann. Linksseitige Thoraxschmerzen hatten die Patientin vor 4 Wochen zum Arztbesuch veranlasst, der sie zum Kardiologen weiterleitete. Eine höhergradige kurzstreckige Abgangsstenose der linken Coronararterie wurde mit Stent versorgt. Seither ist sie unter Lipidsenker, Faktor Xa-Inhibitor und ß-Blocker klinisch beschwerdefrei. Eine AIT wurde vor 2 Jahren festgestellt, die Schilddrüsenwerte sind im Referenzbereich. Von Zeit zu Zeit fällt ihr das Kauen schwer, da sie dabei Schmerzen hat. Eine trockene Semmel kann sie nicht essen. Das Einkaufen fällt ihr schwer, da sie schwere Taschen nicht tragen kann. Die ungewollte Gewichtzunahme hat sie dazu veranlasst den seit einem halben Jahr geübten Nikotinverzicht wieder aufzugeben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Befunde und Diagnosen:</strong></p>
<p><strong>Befund:</strong> 164 cm, 84 kg, BMI 31,2 kg/m<sup>2</sup>, sie war immer übergewichtig, unter der Therapie mit Cortison Gewichtszunahme in den Adipositasbereich. Druckschmerz und Schwellung der Finger und Zehen Grundgelenke 1 &#8211;3 beidseits, Druckschmerz der Hand- und Kniegelenke. Handkraft rechts 25 kg, links 18 kg. Schilddrüse gering vergrößert tastbar.</p>
<p><strong>Labor:</strong> <em>Blutbild:</em> Hb 11,5 g% (13,5–17,5), MCV 82 fl (80–95,5), MCH 26,2 pg (27,6–32,8), Eisen 24 µg/dl (80–180), Ferritin 305 µg/l (30–300), <em>Immunologische und Entzündungs-Parameter</em>: CRP(hs) 2,0 mg/dl (&lt;0,50), ANA pos., SSA-Ro Ag neg., ACPA pos. TRAK negativ, TPO-AK (MAK) 112 IU/ml (&lt;34 IU/ml), TG-AK (TAK) 307 IU/ml (&lt;100 IU/ml), <em>Osteoporose-relevante Parameter</em>: Albumin 3,4 g/dl (3,5–4,5), alkalische Phosphatase (AP) 130 U/l (40–130), 25-Hydroxy-Vitamin-D<sub>3</sub> 2,0 ng/ml (&gt;20 ng/ml)</p>
<p>Plasmalipide unter Therapie im Referenzbereich, ebenso Schilddrüsenfunktion (TSH), Nierenwerte, Elektrolyte, Harnsäure, Leberwerte, Lipase, Glukose im Normbereich, Urinstatus unauffällig.</p>
<p><strong>Medikamente: </strong>MTX 25 mg wöchentlich i.m., Eliquis 5 mg 1 – 0 – 1, Bisoprolol 5m/d, Atorvastatin 20 mg/d, Kurzfristigen Therapieversuch mit Eisen überlegen, Vit. D+K 4000 IE/d und Laborkontrolle in 4 Wochen, Ziel 60 ng/ml.</p>
<p><strong>Diagnosen: </strong></p>
<ul>
<li>Rheumatoide Arthritis unzureichend therapiert, mit Beteiligung des Kiefergelenks, und peripherer Gelenke</li>
<li>gestörte Greiffunktion beider Hände, eingeschränkte Gehstrecke durch Befall der Füße</li>
<li>Sjögren-Syndrom</li>
<li>Autoimmunthyreoiditis (AIT)</li>
<li>Sideroachrestische Anämie, Anämie der chronischen Krankheiten, möglicherweise kombiniert mit Eisenmangel</li>
<li>v.a. Familiäre Hypercholesterolämie, KHK</li>
<li>Vitamin D Mangel, drohende Osteoporose</li>
<li>Nikotinabusus</li>
</ul>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ernährungstherapeutische Intervention:</strong></p>
<p><strong>Entzündungshemmende Ernährung</strong>: vegetarisch orientiert mit pro Woche 2 Fleisch – und zwei Fischmahlzeiten, <u>&lt;</u> 4 Eier, Vegetarische Gerichte an den übrigen Tagen. Omega-3 reiche Öle  verwenden wie Rapsöl, Lein(dotter)-Öl, Walnussöl, „bunt“ essen nach den DGE-Empfehlungen.</p>
<p><strong>Osteoporose-Prophylaxe</strong> mit täglich ½ Liter fettreduzierte Milch bzw. Milchprodukte, Vitamin D supplementieren und Kontrolle des 25-Hydroxy-Vitamin-D3, Bewegung an der frischen Luft, selenreiche Kost (z. B. Nüsse, Kokos) oder Selen 50μg/d supplementieren.</p>
<p><strong>DGE-Richtlinien beachten</strong>: drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst täglich, möglichst die Hälfte davon als Rohkost, schonende Garverfahren verwenden (z. B. Dünsten, Drucktopf, Römertopf)</p>
<p><strong>Gewichtsreduktion</strong> in den unteren Übergewichtsbereich (BMI ~ 27 kg/m<sup>2</sup>) durch Reduktionskost (Beginn mit 2000 kcal/d = -500 kcal einsparen) um Muskelabbau gering zu halten. Cave: Durch eingeschränkte Kaufunktion Mangelernährung (PEM Protein-Energy-Malnutrition) möglich.</p>
<p><strong>Kontrollen:</strong> Mit Rheumatologen kooperieren (Änderung der Basistherapie? oder Wirkung der Ernährungstherapie abwarten?). Die Anämie ist wegen der Einnahme von NSAR ((Nicht-Steroidale-Antirheumatika) &#8211;  occulte Darmblutung) häufig durch einen Eisenmangel verstärkt. Eisen darf aber nicht unkontrolliert gegeben werden, da es sonst die Entzündung verstärkt. Kardiologische Therapie fortführen.</p>
<p><strong>Lifestyle:</strong> Nikotinkonsum beenden, Körperliche Aktivität langsam steigern, Schrittzähler tragen und langsam auf 10000 Schritte oder Äquivalent Radfahren pro Tag steigern. Sozialen Rückzug sowie Stress und Hektik vermeiden</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Das besondere an dem Fall</strong></p>
<ol>
<li>Eine chronische Entzündung begünstigt Folgeentzündungen</li>
</ol>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li>Hier: Rheumatoide Arthritis → Arteriosklerose, KHK, Sjögren-Syndrom und AIT (Autoimmunthyreoiditis)</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ol start="2">
<li>Eine stille Entzündung verschlechtert den Verlauf und die Prognose der chronischen Entzündung</li>
</ol>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li>Hier: Adipositas verschlechtert den Verlauf (Medikamentenbedarf steigt) und die Folgen (Gelenkdestruktion) der Autoimmunerkrankung</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ol start="3">
<li>Die chronische Entzündung hat Stoffwechselwirkung</li>
</ol>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li>Hier: die Osteoporose wird begünstigt</li>
</ul>
</li>
</ul>
<p><strong>Ernährungsberatung</strong></p>
<ol>
<li>Diätetische Entzündungshemmung mit den ADA-Maßnahmen (Alle Diätetischen Anti-entzündlichen Maßnahmen) (1)</li>
<li>Gewichtsreduktion vermindert stille Entzündung (2)</li>
<li>Osteoporose Prophylaxe kann Autoimmunerkrankungen bessern (3). (Vitamin D<sub>3</sub> bei Mangel 2000 bis 4000 I.E., mit Vitamin K bei aktiver chronischer Entzündung (cave Therapie mit Vitamin K Antagonisten), 1000 mg Kalzium Gesamtzufuhr täglich, Bewegungstherapie) (4)</li>
</ol>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zusammenfassung/Schlussfolgerung:</strong></p>
<p>Die entzündungshemmende Kost muss 3 Monate eingehalten werden bis das Verhältnis der Arachidonsäure / EPA unter 5 in den Erythrozytenlipiden erreicht ist. Mit dem Ernährungsrechner <a href="http://www.ernaehrungsrechner.de">www.ernaehrungsrechner.de</a> soll in dieser Zeit die Kost auf das wünschenswerte Verhältnis der PUFA eingestellt werden.</p>
<p>Autoimmunerkrankungen treten häufig in Kombination auf, wie bei dieser Patientin. Weitere häufige Kombinationen sind CED Chronisch-Entzündliche-Darmerkrankungen), Zöliakie, Diabetes mellitus Typ 1 u.a.. Durch konsequente Hemmung der Entzündung können deren Folgen, wie Gelenkschäden, Arteriosklerose und AIT vermieden werden.</p>
<h5>Fall eingereicht von:</h5>
<h5>Prof. Dr. med. Olaf Adam</h5>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ol>
<li>Adam O.: Praxishandbuch Ernährungsmedizin: Rubin / Winckler (Hrsg.), Urban &amp; Fischer, Kap 19,2023, ISBN 978-3-437-23016-5</li>
<li>Adam O.: Diät &amp; Rat bei Rheuma und Osteoporose, Hädecke Verlag GmbH. ISBN 978-3-7750-0770-2,</li>
<li>Lemke D, Klement RJ et al.: Vitamin D Resistance as a Possible Cause of Autoimmune Diseases. Front Immunol. 2021 Apr 7;12:655739. doi: 10.3389/fimmu.2021.655739.</li>
<li>Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose, Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V. 2023</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der besondere Fall &#8211; Superfood</title>
		<link>https://daem.de/der-besondere-fall-superfood/</link>
					<comments>https://daem.de/der-besondere-fall-superfood/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 May 2025 07:31:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der besondere Fall]]></category>
		<category><![CDATA[kurkuma]]></category>
		<category><![CDATA[Superfood]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Patientendaten und Anamnese: Ein 35-jähriger Mann ohne bekannte Vorerkrankung stellte sich zur Abklärung der bei einem hausärztlichen Check-up gefundenen, erhöhten Leberwerte vor: ASAT 88 IU/l (Normwert &#60;50 U/l), ALAT 92/l (Normwert &#60;50 U/l), ɣ-GT 121 IU/l (Normwert &#60;60 U/l. übrige Laborwerte (rotes [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Patientendaten und Anamnese:</strong></p>
<p>Ein 35-jähriger Mann ohne bekannte Vorerkrankung stellte sich zur Abklärung der bei einem hausärztlichen Check-up gefundenen, erhöhten Leberwerte vor:<br />
ASAT 88 IU/l (Normwert &lt;50 U/l), ALAT 92/l (Normwert &lt;50 U/l), ɣ-GT 121 IU/l (Normwert &lt;60 U/l.</p>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li>übrige Laborwerte (rotes und weißes Blutbild, Entzündungsparameter, Nierenwerte, Blutzucker, Lipidstatus, TSH, Parameter des Eisenstoffwechsels und Kupfer) im Normbereich</li>
<li>keine subjektiven Beschwerden</li>
<li>Vater an einem Lebertumor verstorben</li>
<li>Alkoholkonsum glaubhaft selten und wenig, CDT-Wert normal,</li>
<li>keine Belastung mit lebertoxischen Substanzen beispielsweise am Arbeitsplatz</li>
<li>keine Vormedikation</li>
<li>normaler Allgemein- und Ernährungszustand; 1,75 m, 76 kg, BMI 24,8 kg/m²</li>
<li>keine Zeichen eines Ikterus, keine Haut-Leber-Zeichen, keine weiteren klinischen Auffälligkeiten</li>
<li>Hepatitisserologie negativ, Ausschluss einer akuten oder chronischen Infektion</li>
<li>sonografisch unauffälliges Leberparenchym, normale Organgröße, keine pathologischen Veränderungen der Gallenwege</li>
<li>Elastogramm der Leber ohne pathologischen Befund</li>
<li>CT-Abdomen ohne pathologischen Befund</li>
<li>kein Hinweis auf (angeborene) Stoffwechselerkrankungen mit Affektion der Leber</li>
</ul>
</li>
</ul>
<p><strong>Ernährungsanamnese </strong>des gesundheitsbewussten Patienten<strong>:</strong></p>
<p>normokalorische, vollwertige, vorwiegend vegetarische Vollkost<br />
In der detaillierten Befragung gab der Patient dann an, sich bewusst gesund und zur Steigerung der Vitalität oft mit „Superfood“ zu ernähren. Er verwende daher zu jeder der 3 täglichen Mahlzeiten größere Mengen Curcuma, sodass er durchschnittlich davon 80-100 g des Gewürzpulvers pro Woche verbrauche. Nahrungsergänzungsmittel nehme er nicht ein.</p>
<p><strong>Ernährungstherapeutische Intervention:</strong><br />
Fortsetzung der aktuellen Kost, aber Verzicht auf Curcuma</p>
<p><strong>Verlauf:</strong><br />
In den Laborkontrollen nach 2 Monaten, 4 Monaten und 6 Monaten Rückgang und letztlich Normalisierung der initial erhöhten Transaminasen</p>
<p><strong>Hintergrund:</strong></p>
<p>Curcuma, die Gelbwurzel aus der Familie der Ingwergewächse, ist ein traditionelles Gewürz der asiatischen Küche, Bestandteil des Curry-Pulvers und der Lebensmittelfarbstoff E 100, dem positive Auswirkungen auf den Lipidstoffwechsel, leberprotektive, antientzündliche, anti-aging und antidepressive Wirkungen zugeschrieben werden, der in der traditionellen asiatischen Medizin eingesetzt wird und besonders bei Verdauungsbeschwerden, Gelenkerkrankungen, Malignomen, Demenz oder Depressionen helfe.</p>
<p>Das Interesse an Curcumin (Diferuloylmethan) als Wirkstoff aus Curcuma longa als potentielles Nutrazeutikum hat zugenommen. Trotz der aus Studien abgeleiteten Hinweisen auf positive Wirkungen fehlt weiterhin eine pharmazeutische Evidenz. Curcumin scheint zahlreiche Signalmoleküle mit ungeklärter Auswirkung auf den Verlauf der adressierten Erkrankungen modulieren zu können, weist jedoch eine geringe Bioverfügbarkeit auf. (1, 2)</p>
<p>Unter anderem werden auch leberprotektive Wirkungen von Curcumin postuliert. (7)</p>
<p>Durch Zusatz von Piperin als wirksamer Substanz des Pfeffers wird besonders in Nahrungsergänzungsmitteln versucht, die Bioverfügbarkeit von Curcumin mit unkalkulierbaren Ergebnis zu verbessern.</p>
<p>Das Gefährdungspotenzial von Curcumin wurde in der Vergangenheit im Rahmen der Zulassung von Curcumin als Lebensmittelzusatzstoff bewertet. Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde dabei ein ADI (Acceptable Daily Intake) von 3 mg/kg Körpergewicht (KG) und Tag bestimmt. (3,4,5,6)</p>
<p>Potenziell leberschädigende Effekte wurden bei Curcumin-haltigen Produkten (Nahrungsergänzungsmitteln) mit verbesserter Bioverfügbarkeit durch Zusatz von Piperin zwar bereits beobachtet, zum Teil enthielten diese Produkte aber auch weitere Bestandteile, die ebenfalls dafür (mit)verantwortlich sein könnten. Transaminasenerhöhungen nach Genuss von reichlich Curcuma-Gewürzpulver sind nicht dokumentiert.</p>
<p>Veränderungen bei Leberfunktionstests (z. B. Anstieg der Transaminasen) sind in klinischen Interventionsstudien mit einer Inzidenz von 5 % aufgetreten. Es wurde postuliert, dass es sich bei den beobachteten leberschädigenden Effekten nicht unbedingt um eine direkte toxische sondern auch um eine idiosynkratische Wirkung, also eine meist angeborene Überempfindlichkeit, handeln könnte, bei der kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Dosis und Effektstärke besteht. (8,9)</p>
<p>Bereits über die Verwendung von Curcumin als Lebensmittelfarbstoff E100 können nach einer Schätzung der EFSA mittlere Aufnahmemengen von 0,2-0,6 mg/kg KG sowie maximale Aufnahmemengen von 0,4-1,5 mg/kg KG bei Erwachsenen erreicht werden (EFSA 2014).</p>
<p>Im beobachteten Fall betrug der durchschnittliche tägliche Verzehr von Curcuma-Gewürz 180 mg/kg KG, die wirksame Menge Curcumin dürfte daher die vorgegebenen Grenzwerte (deutlich) überschritten haben. Nach Ausschluss möglicher Differenzialdiagnosen für die Transaminasenerhöhung des Patienten wurde diese durch direkte toxische Wirkung oder aber idiosynkrastische Effekte des verzehrten Curcumin-Gewürzpulvers verursacht und normalisierte sich nach Einstellung der Aufnahme.</p>
<p>Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat bereits davor gewarnt, dass bei Einnahme von Curcumin als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln insbesondere in der Formulierung mit Zugabe von Piperin zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit die akzeptable tägliche Aufnahmemenge überschritten werden kann (10).</p>
<p><strong>Schlussfolgerung:</strong></p>
<p>Diese Kasuistik zeigt, dass dies auch bei dem Verzehr von Curcuma als Gewürz in höheren Dosen mit einem die Leber schädigendem Effekt der Fall sein kann. Es kann differenzialdiagnostisch hilfreich sein, in der ernährungsmedizinischen Anamnese gezielt nach speziellen Ernährungsgewohnheiten, Superfood und Nahrungsergänzungsmitteln zu fragen.</p>
<h5><strong>Fall eingereicht von:<br />
Dr. med. Henner Montanus<br />
Chefarztes für Innere Medizin im Saale-Krankenhaus Calbe</strong></h5>
<p><strong>Literatur</strong>:</p>
<ol>
<li style="list-style-type: none;">
<ol>
<li>Kotha RR, Luthria DL. Curcumin: Biological, Pharmaceutical, Nutraceutical, and Analytical Aspects. 2019 Aug 13;24(16):2930</li>
<li>Gupta SC, Patchva S, Aggarwal BB. Therapeutic roles of curcumin: lessons learned from clinical trials. AAPS J. 2013 Jan;15(1):195-218</li>
<li>EFSA (European Food Safety Authority) (2014). Refined exposure assessment for curcumin (E 100). EFSA Journal 12: 3876.</li>
<li>EFSA (European Food Safety Authority: Scientific Committee) (2017). Update: Use of the benchmark dose approach in risk assessment. EFSA Journal 15(1): 4658: 1-41.</li>
<li>EFSA (European Food Safety Authority: Scientific Panel on Additives and Products or Substances used in Animal Feed (FEEDAP)) (2020). Safety and efficacy of turmeric extract, turmeric oil, turmeric oleoresin and turmeric tincture from Curcuma longa L. rhizome when used as sensory additives in feed for all animal species. EFSA Journal 18: 6146.</li>
<li>EFSA (European Food Safety Authority: Scientific Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (ANS)) (2010). Scientific Opinion on the re-evaluation of curcumin (E 100) as a food additive. EFSA Journal 8: 1679.</li>
<li>Sun H, Liu T, Wang Z, Shen W, Yuan X, Xie J, Zhang Y. Role of Curcumin in Chronic Liver Diseases: A Comprehensive Review. Drug Des Devel Ther. 2025 Apr 28;19:3395-3406</li>
<li>Lombardi N., Crescioli G., Maggini V., Ippoliti I., Menniti-Ippolito F., Gallo E., Brilli V., Lanzi C., Mannaioni G., Firenzuoli F., Vannacci A. (2020). Acute liver injury following turmeric use in Tuscany: An analysis of the Italian Phytovigilance database and systematic review of case reports. British Journal of Clinical Pharmacology</li>
<li>Lukefahr A. L., McEvoy S., Alfafara C., Funk J. L. (2018). Drug-induced autoimmune hepatitis associated with turmeric dietary supplement use. BMJ Case Reports 2018</li>
<li>Bundesinstitut für Risikobewertung, Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln: Gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge kann überschritten werden, Stellungnahme Nr. 040/2021 des BfR vom 14. Dezember 2021</li>
</ol>
</li>
</ol>
<p><strong> </strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der besondere Fall &#8211; Onkologie</title>
		<link>https://daem.de/der-besondere-fall-onkologie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Steinebrunner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Feb 2025 12:49:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der besondere Fall]]></category>
		<category><![CDATA[onkologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Patientendaten (z.B. Geschlecht, Alter, Beruf, Rauchen, Alkohol, Sport): Patientin, weiblich. Geb.: 28.08.1961 Beruf: Sekretärin in der Firma des Ehemannes Nikotin: ca. 30-40 Zig/Tag, seit  etwa 30 Jahren, in den letzten Wochen vor Erstvorstellung etwas weniger Vorstellung Mai 2024 bei der [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Patientendaten </strong>(z.B. Geschlecht, Alter, Beruf, Rauchen, Alkohol, Sport)<strong>:</strong></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="604">
<ul>
<li style="text-align: left;">Patientin, weiblich.</li>
<li style="text-align: left;">Geb.: 28.08.1961</li>
<li style="text-align: left;">Beruf: Sekretärin in der Firma des Ehemannes</li>
<li style="text-align: left;">Nikotin: ca. 30-40 Zig/Tag, seit  etwa 30 Jahren, in den letzten Wochen vor Erstvorstellung etwas weniger</li>
<li style="text-align: left;">Vorstellung Mai 2024 bei der Hausärztin aufgrund diffuser Knochenschmerzen</li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Anamnese/ Fallbeschreibung </strong>(z.B. aktuelle Beschwerden, Krankheitsverlauf)<strong>:</strong></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="604">
<ul>
<li style="text-align: left;">Vorstellung 05/2024 bei der Hausärztin aufgrund diffuser Knochenschmerzen und klinischer Verschlechterung; Laufen aufgrund der Beschwerden massiv eingeschränkt</li>
<li style="text-align: left;">05/24 CT: Nachweis von Metastasen an Lunge, Leber, Knochen, Peritoneum</li>
<li style="text-align: left;">Vorstellung zur weiteren Abklärung und Therapie</li>
<li style="text-align: left;">Ernährungsmedizin 05/24: kein Gewichtsverlust, keine Magenernährung, BMI 24,8kg/m2 bei 1,58m und 62kg</li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Befunde und Diagnosen </strong>(z.B. Größe, Gewicht, Gewichtsverlauf, weitere anthropometrische Messungen, Klinische Symptomatik, Laborwerte, ernährungsmedizinische Untersuchungsbefunde, Medikamentenverordnung)<strong>:</strong></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="604">
<ul>
<li style="text-align: left;">05/24: ED eines Adeno-Carcinom, a.e. Lunge; histologisch G3, u.a. PDL-1 TPS 100%</li>
<li style="text-align: left;">06/24: Therapieeinleitung (sog. Immunchemotherapie mit Pembrolizumab, Paclitaxel, Carboplatin), Gewicht 2 kg abnehmend seit 05/24 (akt.: 60kg)</li>
<li style="text-align: left;">bis 08/24 Therapien ambulant unter regelmäßiger Wiedervorstellung; zunehmende Inappetenz DD</li>
<li style="text-align: left;">durch Chemotherapie; Ausschluss Nebenwirkung durch Immuntherapie, daher Reduktion der Chemotherapiedosis. Gewichtsabnahme bis 55kg</li>
<li style="text-align: left;">09/24 klinische Verschlechterung, Urlaub von Seiten der Patientin in Spanien gewünscht und geplant; daher Verschieben der Therapie bzw. Verlängerung des Therapieabstandes; Gewicht 52kg</li>
<li style="text-align: left;">10/24 klinisch besser in Pause und nach Urlaub, Gewicht 2kg steigend (54kg), NW rückläufig Reduktion der Therapie auf Wunsch und bei NW auf eine alleinige Immuntherapie bei hohem Therapiewunsch trotz Nebenwirkungen (15.10.24: Port weiterhin abgelehnt, Ernährungstherapie insuffizient)</li>
<li style="text-align: left;">04.11.24 notfallmäßige Aufnahme mit 43kg; frühere Vorstellung durch Patientin nicht gewünscht; massive klinische Verschlechterung und Vorliegen eines Kachexiesyndrom. Laborchemisch hohes CRP, Hypalbuminämie, massive Reduktion der Muskelkraft, path. Handkraftmessung; Port und ZVK abgelehnt; massiver Progress der Erkrankung</li>
<li style="text-align: left;">13.11.24 nach Zustimmung Portanlage, ergänzende PE und auf expliziten Wunsch Therapie nach Umstellung der Chemotherapie bei noch bestehenden therapeutischen Optionen</li>
<li style="text-align: left;">05.12.24 Entlassung in die häusliche Umgebung nach Umstellung der Chemotherapie, Einleitung  einer fast total parenteralen ergänzenden Ernährungstherapie, Physiotherapie und supportiven Maßnahmen</li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ernährungstherapeutische Intervention </strong>(z.B. Ernährungsmedizinische Diagnose und Indikationsstellung, Ziele der Therapie, Energiebedarfsberechnung, Ernährungsverordnung und Durchführung der Therapie)<strong>:</strong></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="604">
<ul>
<li style="text-align: left;">05/24 und 06/24 bei ED und Therapieeinleitung: Ernährungsberatung bei 62kg zu eiweißreicher Ernährung mit Eiweiß-Ziel um 80-90g/Tag unter Hinzunahme von Eiweißpulver; Zufuhr KH im unteren Normalbereich, angereichter Fettanteil und Omega-3-FS in normalem Ausmaß unter Empfehlung entsprechender Nahrungsmittel; keine direkten Verbote (außer Grapefruit); Port-Anlage nicht gewünscht zur Immunchemotherapie</li>
<li style="text-align: left;">09.07.24: stationäre Aufnahme, Gewichtsverlust ambulant auf 58kg; Besprechung Ernährungstherapie, ergänzender Supplemente; Beginn Trinknahrung; kurzfristige PE via ZVK oder Portanlage nicht gewünscht, PEG abgelehnt;</li>
<li style="text-align: left;">Entlassung 19.07.24 mit ONS, ca 300- 400kvcal/Tag ergänzend, gewünschte Energiemenge von ca. 1800kcal/Tag nicht erreichbar (etwa 1300kcal/Tag, aber Patientin überzeugt, zu Hause wird es besser); ONS mit NUR Cappuccino-Geschmack möglich</li>
<li style="text-align: left;">08/24 55kg unter ONS (weiter fallend, Beratungen und Besprechungen, PORT abgelehnt)</li>
<li style="text-align: left;">09/24 ausgeprägte NW unter Chemotherapie mit Inappetenz, Fatigue, Gewicht 52kg (weiter nur Ernährungstherapie plus ONS Cappuccino etwa 200-400kcal/Tag gewünscht); Urlaub</li>
<li style="text-align: left;">bis 10/24 im Urlaub unter verlängerter Therapiepause Gewichtszunahme 2 kg (kein Aszites, keine Ödeme) auf 54kg; Verzicht auf Chemotherapie, nur Immuntherapie aufgrund NW und Therapiewunsch; weiter kein Port, keine ergänzende Therapie (enteral/parenteral) zur Therapie mit ONS gewünscht</li>
<li style="text-align: left;">04.11.24 notfallmäßige Aufnahme mit 43kg; frühere Vorstellung durch Patientin nicht gewünscht; massive klinische Verschlechterung und Vorliegen eines Kachexiesyndrom. Laborchemisch hohes CRP, Hypalbuminämie, massive Reduktion der Muskelkraft, path. Handkraftmessung; Port und ZVK abgelehnt; massiver Progress der Erkrankung; Nahrungsaufnahme etwa 500kcal/Tag zu Hause; Beginn Glucoselösung peripher plus ONS plus Ernährungsberatung und –therapie unter langsamer Steigerung der Energie aufgrund Gefahr Refeeding-Syndrom (etwa 700-800kcal/Tag); aber weiter unzureichende Energiezufuhr</li>
<li style="text-align: left;">13.11.24 nach Zustimmung doch Portanlage, ergänzende parenterale Ernährung (PE), ONS und Ernährungstherapie (850kcal/Tag gesamt); Umstellung der Chemotherapie bei Therapiewunsch</li>
<li style="text-align: left;">ab 22.11.24 weitere Steigerung der Energiezufuhr bis 1300kcal/Tag (PE, ONS, Ernährung)</li>
<li style="text-align: left;">24.11.24 Gewicht steigend auf 46,6kg seit Aufnahme</li>
<li style="text-align: left;">27.11.24 Übelkeit nach Chemotherapie, Bronchitis, steigendes CRP, wieder fallendes Gewicht (43,4kg)</li>
<li style="text-align: left;">02.12.24 Entlassung in die häusliche Umgebung nach Umstellung der Chemotherapie, Einleitung einer fast total parenteralen ergänzenden Ernährungstherapie (1280kcal/Tag), Physiotherapie und supportiven Maßnahmen</li>
</ul>
<p>Besonderheiten:</p>
<ul>
<li style="text-align: left;">Trinknahrung: NUR Cappuccino war verträglich, keine anderen Geschmacksrichtungen (Firmenwechsel, auch besondere Geschmacksrichtungen ohne Benefit)</li>
<li style="text-align: left;">Pudding- und Joghurtprodukte frustran</li>
<li style="text-align: left;">eigenwillige Patientinnenstruktur, Gewichtsbestimmungen teilweise abgelehnt</li>
<li style="text-align: left;">ab 08/24 keine Einnahme von Eiweißpulver mehr (subjektiv zu lästig)</li>
<li style="text-align: left;">bis 11/24 PEG und Port immer wieder abgelehnt</li>
<li style="text-align: left;">13.11.24 Port und dann erstmal ergänzende suffiziente Ernährungstherapie</li>
<li style="text-align: left;">refraktäre Inappetenz und Übelkeit: Steroide, Olanzapin, Mirtazapin, Dronabinol frustran, Aromasticks angeboten, nicht von der Patientin besorgt</li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zusammenfassung/Schlussfolgerung </strong>(weiterer Verlauf und kurze Zusammenfassung)<strong>:</strong></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td style="text-align: left;" width="604">
<ul>
<li>Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung präsentierte sich eine Patientin in noch klinisch stabilem Zustand, insbesondere auch ohne Zeichen einer unzureichenden Nahrungsaufnahme/ Mangelernährung.</li>
<li>Nach Therapieeinleitung kam es zu einer zunehmend unzureichenden Nahrungsaufnahme. Die Verträglichkeiten der Trinknahrungen waren schlecht, auch ein Wechsel der Firmenprodukte brachte keine Besserung. Beratungen für zu Hause mit Anreicherung der Speisen erfolgten mehrfach. Es kam weiter zu einer unzureichenden Nahrungsaufnahme, da die ergänzende Menge an Trinknahrung und eigenen Maßnahmen der Familie nicht ausreichend war. Die Patientin lehnte immer wieder eine Portanlage, eine stationäre Aufnahme und eine enterale/parenterale Ernährungstherapie ab. Erschwert wurde die Situation durch die Nebenwirkungen der Immunchemotherapie. Bei dann Reduktion der Therapie und bereits unzureichender Ernährungstherapie zeigt sich der Tumorprogress, der parallel zum klinischen Bild eines Kachexiesyndrom (CACS, Cancer-Anorexie-Cachexie-Syndrom) führte. Hierunter reduzierte therapeutische Optionen, zumal die Patientin auch hier initial einer ergänzenden Ernährungstherapie ablehnend ist. Nach Portanlage und mit Einverständnis der Patientin dann doch ergänzende Ernährungstherapie parenteral.</li>
<li>Obwohl von Beginn an eine Beratung bezüglich einer ergänzenden Ernährungstherapie erfolgte, war der Verlauf frustran. Es zeigt sich, dass die Inflammationsreaktionen durch den Tumor massiven Einfluss auf das Essverhalten haben. Verstärkt wird die Situation durch Nebenwirkungen der Therapie, parallel durch gastrointestinale Unverträglichkeiten und Geschmacksänderungen. Ein monotones Essverhalten kann, muss und sollte ggf. akzeptiert werden, führt aber möglicherweise zu einer Verschlechterung der Situation. Die mögliche Stigmatisierung durch einen Port oder eine PEG, die nach außen hin zeigen, dass eine schwere Erkrankung vorliegt, belasten einige Patienten ebenso. So wie hier ist dann aber die Ausweitung einer Ernährungstherapie kaum möglich.Die Behandlung onkologischer/hämatologischer Patienten kann eine besondere Herausforderung bieten. Erschwert werden unsere therapeutischen Möglichkeiten durch Nebenwirkungen und Patientenstruktur. Diese Patientengruppe sollte regelmäßig ernährungsmedizinisch betreut werden, wobei Screening und Gespräche/Anamnese im Vordergrund stehen.</li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h5><strong>Fall eingereicht von:<br />
Dr. med. Michael Klein<br />
Facharzt für Innere Medizin Schwerpunkt Hämatologie und internistische Onkologie in Recklinghausen</strong></h5>
<h5></h5>
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		<title>Der besondere Fall &#8211; Geriatrie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Steinebrunner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 12:37:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der besondere Fall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Falldokumentation &#160; VORGESCHICHTE Die 72-jährige Patientin, Frau H.M., leidet an einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung und lebt aufgrund eines komplexen, pflegerischen Unterstützungsbedarfs seit circa ½ Jahr in einem Seniorenheim. Frau H.M. ist bettlägerig und muss gelagert werden. Sie kann tagsüber mit Hilfe [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5>Falldokumentation</h5>
<p>&nbsp;</p>
<p>VORGESCHICHTE</p>
<p>Die 72-jährige Patientin, Frau H.M., leidet an einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung und lebt aufgrund eines komplexen, pflegerischen Unterstützungsbedarfs seit circa ½ Jahr in einem Seniorenheim. Frau H.M. ist bettlägerig und muss gelagert werden. Sie kann tagsüber mit Hilfe von 2 Pflegekräften stundenweise in einem Multifunktionsrollstuhl mobilisiert werden. Es besteht eine Harn- und Stuhlinkontinenz. Als Vormedikation besteht eine Bedarfsmedikation mit Metamizol bei Schmerzen und/oder Fieber.</p>
<p>Es existiert ein Trink- und Ernährungsplan, da Frau H.M. wenige Monate zuvor im Rahmen einer Covid-Erkrankung einen signifikanten Gewichtsverlust von circa 10% ihres Körpergewichts erlitten hatte. Durch Nahrungsanreicherung mit Maltodextrin und Verabreichung hauseigener, hochkalorischer Getränke konnte der Gewichtsverlust gestoppt werden. Das Pflegepersonal berichtet, dass Frau H.M. weiterhin regelmäßig zum Trinken und Essen animiert werden muss. Die Getränke müssen hergerichtet und die Speisen mundgerecht zubereitet werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>UNTERSUCHUNGBEFUND</p>
<p>Bei dem ärztlichen Erstkontakt zeigt Frau H.M. kaum eine Reaktion. Sie wirkt in sich gekehrt, mürrisch und lässt die ärztliche Untersuchung ohne wesentliche weitere Reaktion über sich ergehen. Der Hautturgor ist herabgesetzt. Bei der Hautinspektionen zeigen sich ein 2x3cm großer, flacher Dekubitus im Bereich des rechten Gesäßes und eine weitere, 1,2cm durchmessende Dekubitalläsion über dem linken Sitzbein</p>
<p>Der Ernährungszustand ist eingeschränkt. Frau H.M. wiegt 55kg bei einer Körpergröße von 1,65m. Der resultierende BMI von 20,2kg/m2 hat in den letzten 3 Monaten keine Veränderung erfahren.</p>
<p><u>Ernährungsscreening:</u></p>
<p>Malnutrition Universal Screening Tool (MUST):</p>
<ul>
<li>BMI &gt;/= 20kg/m2: 0 Punkte</li>
<li>Ungewollter Gewichtsverlust</li>
</ul>
<p>&gt;/= 10% in den letzten 6 Monaten:      2 Punkte</p>
<ul>
<li>Keine Akuterkrankung: 0 Punkte</li>
</ul>
<p><u>Gesamtpunktzahl: </u>                                        <u>2 Punkte</u></p>
<ul>
<li>Hohes Gesamtrisiko für eine Mangelernährung,</li>
</ul>
<p>Indikation zur Ernährungstherapie</p>
<p>Minimal Nutrition Assessment Short Form (MNA-SF):</p>
<ol>
<li>Keine Abnahme der Nahrungsaufnahme: 3 Punkte</li>
<li>Kein Gewichtsverlust binnen 3 Monaten: 3 Punkte</li>
<li>Bettlägerigkeit: 0 Punkte</li>
<li>Keine Akuterkrankung: 2 Punkte</li>
<li>Höhergradige Demenzerkrankung: 0 Punkte</li>
<li>BMI zwischen 19 &#8211; 21 kg/m2: 1 Punkt</li>
</ol>
<p><u>Ergebnis des Screenings: </u>                                           <u>9 Punkte</u> (max. 14 Punkte)</p>
<ul>
<li>Risiko für Mangelernährung</li>
</ul>
<p>Nutritional Risk Score 2002 (NRS 2002):</p>
<p>Vorscreening: positiv bei BMI &lt; 20,5 kg/m2</p>
<p>Hauptscreening:</p>
<ul>
<li>BMI zwischen 18,5 und 20,5 kg/m2 und reduzierter Allgemeinzustand</li>
</ul>
<p>=&gt; Mäßige Störung des Ernährungszustands:    2 Punkte</p>
<ul>
<li>Keine Krankheitsschwere: 0 Punkte</li>
<li>Alter &gt;/= 70 Jahre: 1 Punkt</li>
</ul>
<p><u>Gesamtpunktzahl:</u>                                                               <u>3 Punkte</u></p>
<ul>
<li>Ernährungsrisiko liegt vor,</li>
</ul>
<p>Erstellung eines Ernährungsplans empfohlen</p>
<p>Der NRS 2002 wurde ursprünglich für die Krankenhaussituation entwickelt. Mit Hilfe der ermittelten Punktzahl kann die einteilende Codierung der Mangelernährung nach ICD-10 untermauert werden (Reinbold T et al, 2013):</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="126">NRS-Score</td>
<td width="358">Diagnose</td>
<td width="117">ICD-10-Code</td>
</tr>
<tr>
<td width="126">2 Punkte</td>
<td width="358">Leichte Energie- und Mangelernährung</td>
<td width="117">E44.1</td>
</tr>
<tr>
<td width="126">3 Punkte</td>
<td width="358">Mäßige Energie- und Mangelernährung</td>
<td width="117">E44.0</td>
</tr>
<tr>
<td width="126">Ab 4 Punkte</td>
<td width="358">Erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung</td>
<td width="117">E43</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>DIAGNOSE und THERAPIE</p>
<p>Aufgrund der bestehenden, als mäßiggradig einzuschätzenden Mangelernährung (Diagnose nach ICD-10: E44.0) wird das Betreuungspersonal angehalten, die Gewichtssituation engmaschig zu beobachten und die Nahrungsaufnahme intensiv zu überwachen. Die hauseigenen, hochkalorischen Getränke sollen weiterhin als Zusatzkost angeboten werden.</p>
<p>Die Wundbehandlung erfolgt über ein externes Wandmanagement. Frau H.M. wird nach Plan gelagert, sie ist mit Lagerungskissen und einer Weichlagerungsmatratze versorgt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>AKUTERKRANKUNG</p>
<p>Nach wenigen Wochen kommt es bei Frau H.M. zu einem fieberhaften Infekt, gefolgt von Erbrechen, das rezidivierend circa 1 Woche anhält. Die Symptomatik sistiert spontan, die Genese bleibt unklar. Frau H.M. nimmt in der Zeit sowie danach nur sehr eingeschränkt Nahrung zu sich.  Die Wundsituation zeigt eine deutliche Verschlechterung mit Ausbildung eines sakralen Dekubitus Grad IV mit Haut- und Fettgewebsnekrosen und zum Teil sichtbaren Knochenanteilen am Wundgrund. Es kommt zu einer fieberhaften Wundinfektion mit umgehend erforderlicher, stationärer Einweisung der Patientin. Frau H.M. erhält eine kalkulierte i.v.-Antibiose und ein umfassendes, operatives Wunddebridgement. Zur Eindämmung weiterer Wundkomplikationen erfolgt die Versorgung mit einem transurethralen Dauerkatheter. Die Wundkontrolle nach 1 Woche zeigt einen auf 6x9cm ausgedehnten, sakralen Dekubitus. Die Wunde ist sauber mit frischem Granulationsgewebe am Wundgrund.</p>
<p>Nach der Rückverlegung in das Pflegeheim zeigt Frau H.M. weiterhin ein deutlich eingeschränktes Essverhalten. Sie nimmt die angebotenen Hauptmahlzeiten nicht zu sich, sondern verzehrt ausschließlich angereichte Puddings, Cremespeisen sowie Süßgetränke. Frau H.M. hat in dem Zeitraum von weniger als 3 Monaten 9,3kg Körpergewicht verloren, entsprechend einem Gewichtsverlust 17%. Frau H.M. wiegt aktuell 45,7kg, ihr BMI beträgt 16,8kg/m2.</p>
<p><u>Kontrolle des Ernährungsscreenings:</u></p>
<p>Malnutrition Universal Screening Tool (MUST):</p>
<ul>
<li>BMI &lt; 18,5kg/m2: 2 Punkte</li>
<li>Ungewollter Gewichtsverlust</li>
</ul>
<p>&gt;/= 10% in den letzten 6 Monaten:      2 Punkte</p>
<ul>
<li>Akuterkrankung: 2 Punkte</li>
</ul>
<p><u>Gesamtpunktzahl: </u>                                        <u>6 Punkte</u> (vorher 2 Punkte)</p>
<ul>
<li>Hohes Gesamtrisiko für eine Mangelernährung,</li>
</ul>
<p>Indikation zur Ernährungstherapie</p>
<p>Mini Nutritional Assessment Short Form (MNA-SF)</p>
<ul>
<li>Nestlé Nutrition Institut:</li>
</ul>
<ol>
<li>Starke Abnahme der Nahrungsaufnahme: 0 Punkte</li>
<li>Gewichtsverlust &gt; 3kg: 0 Punkte</li>
<li>Bettlägerigkeit: 0 Punkte</li>
<li>Akuterkrankung: 0 Punkte</li>
<li>Höhergradige Demenzerkrankung: 0 Punkte</li>
<li>BMI &lt; 19kg/m2: 0 Punkte</li>
</ol>
<p><u>Ergebnis des Screenings:</u>                                              <u>0 Punkte</u> (vorher 8 von 14 Pkten)</p>
<ul>
<li>Mangelernährung</li>
</ul>
<p>Nutritional Risk Score 2002 (NRS 2002):</p>
<p>Vorscreening:</p>
<ul>
<li>BMI &lt; 20,5kg/m2 Ja</li>
<li>Gewichtsverlust binnen 3 Monaten Ja</li>
<li>Verminderte Nahrungszufuhr in der vergangenen Woche Ja</li>
<li>(Schwere) Erkrankung) Ja</li>
</ul>
<p>Hauptscreening:</p>
<ul>
<li>Gewichtsverlust &gt; 15%/3Mon., BMI &lt; 18,5kg/m2</li>
</ul>
<p>und reduzierter Allgemeinzustand</p>
<p>=&gt; Schwere Störung des Ernährungszustands:      3 Punkte</p>
<ul>
<li>Krankheitsschwere: 1 Punkt</li>
<li>Alter &gt;/= 70 Jahre: 1 Punkt</li>
</ul>
<p><u>Gesamtpunktzahl:</u>                                                                     <u>5 Punkte</u> (vorher 3 Punkte)</p>
<ul>
<li>Ernährungsrisiko liegt vor,</li>
</ul>
<p>Erstellung eines Ernährungsplans empfohlen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>DIAGNOSE und THERAPIEANPASSUNG</p>
<p>Alle 3 Erhebungsbögen weisen mit ihren veränderten Punktescores auf eine Verschlechterung der Ernährungssituation bei Frau H.M. Bei 5 Punkten im NRS 2002 besteht inzwischen eine erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung (E43).</p>
<p><u>Abschätzung des Energie- und Eiweißbedarfs:</u></p>
<ul>
<li>Unter der Annahme eines täglichen Energiebedarfs von 30kcal/kg KG sollte Frau H.M. möglichst 1400kcal/Tag zu sich nehmen.</li>
<li>Der Eiweißbedarf ist aufgrund der Wundsituation erhöht mit schätzungsweise 1,2 – 1,5g Prot/kg KG/Tag, entsprechend 55 – 70g Prot/Tag.</li>
</ul>
<p>Da Frau H.M. bereits eine hauseigene hochkalorische Zusatzkost inklusive Nahrungsanreicherung erhält, erfolgt gemäß des Stufenschemas der Ernährungstherapie (Plauth M et al, 2021) die zusätzliche Verordnung von oralen Nahrungssupplementen. Aufgrund der beobachteten Vorlieben werden Frau H.M. dabei neben Trinkflaschen auch Cremes und Yoghurtcremes angeboten. Die Nahrungssupplemente werden als Mischkartons rezeptiert, um eine möglichst breite Geschmacksauswahl zu ermöglichen. Unterstützt durch die pflegerische Zuwendung gelingt es, dass Frau H.M. täglich durchschnittlich 3 unterschiedliche Nahrungssupplemente zu sich nimmt. Dies entspricht einer zusätzlichen Energiezufuhr von 900 – 1000kcal/Tag und einer zusätzlichen Einweißzufuhr von 40 – 50g/Tag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>VERLAUF</p>
<p>Mit diesen Maßnahmen kann der Gewichtsverlust bei Frau H.M. gestoppt werden. Nach bereits 14 Tagen zeigt sich eine Gewichtszunahme um 0,5kg Körpergewicht. Mit Besserung der Gewichtssituation gewinnt Frau H.M. auch wieder Interesse an festeren Speisen und verzehrt zumindest teilweise die angebotenen Hauptmahlzeiten. Die orale Nahrungssupplementation kann auf 2 Trinknahrungen/Tag reduziert werden (entsprechend 600kcal/Tag und 40g Eiweiß/Tag). Die Trinknahrung wird überwiegend als Zwischenmahlzeit sowie zur Nacht angeboten. Nach 3 Monaten wiegt Frau H.M. 47kg, ihr BMI beträgt 17,26kg/m2. Der sakrale Dekubitus hat sich inzwischen auf eine Größe von 6,5x7cm verkleinert und zeigt in den 2 Folgemonaten eine weitere Verkleinerung auf 3x5cm. Frau H.M. kann wieder in den Rollstuhl mobilisiert werden und so ihre Mahlzeiten gemeinsam mit den anderen HeimbewohnerInnen in dem Gemeinschaftsraum der Einrichtung einnehmen. Dies stellt eine wichtige, unterstützende Maßnahme bei der Therapie der Mangelernährung. Frau H.M. nimmt weiter an Gewicht zu und erreicht nach weiteren 2 Monaten ein Körpergewicht von 53,7kg, entsprechend einem BMI von 19,72kg/m2.</p>
<p>Da der Sakraldekubitus in diesem Zeitraum keine Abheilungstendenz zeigt, wird Frau H.M. zusätzlich mit einem Sitzring zur Druckentlastung versorgt. Darunter schrumpft der Sakraldekubitus binnen 2 Monate auf 2x2cm und ist nach weiteren 6 Monaten abgeheilt.</p>
<p>Mit der Verbesserung des Ernährungszustandes ist Frau H.M. auch deutlich wacher und agiler geworden. Sie beobachtet ihre Umwelt interessiert, benutzt zunehmend eigenständig Geschirr und Besteck und reagiert im Rahmen der ärztlichen Visiten freundlich mit Mimik und Gestik. Aus der initial abweisend-mürrischen Patientin ist – soweit an Mimik und Gestik ablesbar – eine lebensbejahende Pflegeheim-Bewohnerin geworden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>SCHLUSSFOLGERUNG</p>
<ul>
<li>Insbesondere pflegebedürftige, ältere Menschen sind anfällig für eine Mangelernährung.</li>
<li>Durch unterschiedliche Screeningverfahren (MUST, MNA, NRS 2002) kann die Mangelernährung frühzeitig erfasst werden. Mit Hilfe des NRS 2002 kann der Schweregrad der Mangelernährung bestimmt und direkt in eine ICD-10-Diagnose umgesetzt werden.</li>
<li>Selbst bei milden oder mäßigen Störungen des Ernährungszustandes kann es binnen kurzer Zeit zu erheblichen Komplikationen kommen. Hier ist eine weitere Sensibilisierung aller Beteiligten durch Schulung und Fortbildung zu fordern.</li>
<li>Die Behandlung der Mangelernährung sollte situativ angepasst (Stufenschema) und konsequent erfolgen. Der Einbezug von Ernährungsfachkräften/DiätassistentInnen ist wünschenswert, scheitert in der Praxis aber meist an der ungesicherten Kostenregulierung.</li>
<li>Durch eine konsequente Behandlung der Mangelernährung werden die komplizierenden Begleiterkrankungen und die Lebensqualität der betroffenen PatientInnen positiv beeinflusst.</li>
</ul>
<h5><strong>Fall eingereicht von:<br />
Dr. med. Lutz Tünnermann<br />
Hausärztlich-internistische Praxis, Essen<br />
</strong></h5>
<p>&nbsp;</p>
<p>LITERATUR</p>
<p>https://www.dgem.de/leitlinien</p>
<p><a href="https://www.dgem.de/screening">https://www.dgem.de/screening</a> &gt; Malnutrition Universal Screening Tool (MUST)</p>
<p>h<a href="https://www.dgem.de/screening">ttps://www.dgem.de/screening</a> &gt; Mini Nutritional Assessment (MNA)</p>
<p><a href="https://www.dgem.de/screening">https://www.dgem.de/screening</a> &gt; Nutritional Risk Score (NRS)</p>
<p>Pittelkow S, Rubin D Medizinische Ernährungstherapie in Rubin D, Winckler K (Hrsg) Praxishandbuch Ernährungsmedizin; 1. Auflage 2023, Elsevier GmnH Deutschland</p>
<p>Plauth M, Viertel M Enterale und parenterale Ernährung. Aktuel Ernahrungsmed, 2021; 46(06): 401 – 419</p>
<p>Reinbold T et al Mangelernährung im DRG-System. Aktuel Ernahrungsmed. 2013; 38: 24-29</p>
<p>Volkert D et al Leitlinie der Deutschen&#8230;Klinische Ernährung in der Geriatrie Aktuel Ernahrungsmed 2013; 38: e1-e48 – AWMF-Register-Nr. 073/019</p>
<p>Volkert D, Wehner N Ernährung und Ernährungsprobleme im Alter in Rubin D, Winckler K (Hrsg) Praxishandbuch Ernährungsmedizin; 1. Auflage 2023, Elsevier GmnH Deutschland</p>
<p>&nbsp;</p>
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