Die Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin e.V. hat seit dem 01.04.2001 ein Netz von Lehrkliniken im deutschsprachigen Raum aufgebaut. Es besteht aus zertifizierten Einrichtungen der Krankenversorgung sowohl im Akut- wie auch im Reha-Bereich und dient der Anhebung des Qualitätsstandards in der klinischen Ernährungstherapie. Das Spektrum der Lehrkliniken umfasst alle Bereiche der Ernährungsmedizin, die nicht alleine auf Stoffwechsel-erkrankungen beschränkt sind, sondern auch die Prävention und Therapie rheumatischer, urologischer, gynäkologischer und endokrinologischer Erkrankungen umfasst. Neben diesen spezifischen Ernährungsmaßnahmen in den genannten Bereichen, die im Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer festgelegt sind, müssen die allgemeinen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung hinsichtlich einer vollwertigen Kost berücksichtigt werden.

In der nunmehr zehnjährigen Tätigkeit als Lehrkliniken haben sich die Profile der Institutionen herausgebildet und sie haben sich zu hervorragenden Ausbildungsstätten für die Praxis der klinischen Ernährungsmedizin entwickelt. Die Kliniken sind nach einem einheitlichen System ausgerichtet. Als Leiter der Ernährungsmedizin fungiert in jeder Klinik ein/e Ernährungsmediziner/in DAEM/DGEM®. Entsprechend des definierten Qualitätsstandards werden in jeder Lehrklinik ein Ernährungsteam und ein Küchenarbeitskreis gebildet, dem entsprechende Kompetenzen zugeordnet sind, wie Ernährungsberatung, Qualitätssicherung, Fortbildung und Information. Die Kompetenzen sind in einem Organigramm festgelegt. Eine Ernährungskommission, in der Vertreter der Ernährungsmedizin, der Pflegeberufe und ggf. anderer Heilberufe, sowie der Verwaltung vertreten sind, sorgt mit regelmäßigen Besprechungen für die Vernetzung aller Berufsgruppen, die mit der Verpflegung, der Speisen-zubereitung und -verteilung befasst sind. In den Lehrkliniken erfolgt die Diagnostik und Therapie nach den Leitlinien der verschiedenen Fachgesellschaften, z.B. Adipositas - Deutsche Adipositas Gesellschaft, Hypertonie - Deutsche Hochdruckliga, Osteoporose - Deutsche Gesellschaft für Osteologie e.V. etc. Soweit noch keine Leitlinien existieren, gelten die Maßgaben, die in dem Handbuch Ernährungsmedizin in der Praxis, Spitta Verlag, festgelegt sind. Ein besonderes Gewicht wird auf die Erkennung und Behandlung der Mangelernährung gelegt.

Die Speisenversorgung wird in jeder Lehrklinik mit einem Verpflegungskatalog definiert, in dem alle angebotenen Diät- und Vollkostformen quantitativ und qualitativ entsprechend den Maßgaben des Rationalisierungsschemas aufgezeichnet sind.

Die Rolle des Ernährungsmediziners beschränkt sich dabei nicht nur auf die Koordination der Ernährungs- und Diätberatung, sondern auch auf die Überwachung der Produktion, der Herstellungsverfahren, der Einhaltung der HACCP-Richtlinien und der regelmäßigen Patienteninformation und Schulung. Dem Ernährungsmediziner obliegt auch die fachliche Fortbildung seiner Mitarbeiter.

Im Laufe ihrer Tätigkeit haben Lehrkliniken sehr erfolgreiche eigene Programme entwickelt, die bei Seminaren, die von der DAEM e. V. organisiert werden, dargestellt werden. Das Ziel ist es, den nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer zu Ernährungsmedizinern DAEM/DGEM ausgebildeten Ärzten, eine praktische Ausbildung in den zertifizierten Lehrkliniken zu bieten. Diese Vertiefung der Kenntnisse in Ernährungsmedizin ist nicht nur wegen der zunehmenden Inzidenz ernährungsabhängiger Erkrankungen und dem dadurch immer mehr steigenden Kostendruck für die Krankenkassen von großer Bedeutung. Mit dieser fundierten praktischen Ausbildung soll auch der Grundstein für die längst überfällige Etablierung der Fachkunde Ernährungsmedizin gelegt werden.