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	<title>Der Ernährungsmediziner Archive - DAEM</title>
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	<description>Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin</description>
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	<title>Der Ernährungsmediziner Archive - DAEM</title>
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		<title>Wie gesund ist vegan?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Feb 2022 09:48:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[gesunde Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[vegan]]></category>
		<category><![CDATA[vegane Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Autor: Prof. Dr. med. Olaf Adam, München Noch nie haben so viele Personen sich für den Verzicht auf Produkte tierischer Herkunft entschieden wie heute und eine vegane Kost eingehalten. Hierzu haben verschiedene Faktoren beigetragen, wie die Sorge um den Klimawandel [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://daem.de/wie-gesund-ist-vegan/">Wie gesund ist vegan?</a> erschien zuerst auf <a href="https://daem.de">DAEM</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5>Autor: Prof. Dr. med. Olaf Adam, München</h5>
<p>Noch nie haben so viele Personen sich für den Verzicht auf Produkte tierischer Herkunft entschieden wie heute und eine vegane Kost eingehalten. Hierzu haben verschiedene Faktoren beigetragen, wie die Sorge um den Klimawandel und der gesteigerte CO<sub>2</sub>-Anfall, die unwürdige (Massen)Tierhaltung und die qualvollen Tiertransporte. Die Umfragen zeigen auch, dass gesundheitliche Aspekte bei der Entscheidung für oder gegen den Fleischkonsum keine große Rolle spielen. Aber sollte es gleich ein Fleischverzicht sein? Unser Wissen über die Inhaltsstoffe und die Wirkung tierischer Lebensmittel ist enorm gestiegen. Neue Aspekte sind dazugekommen, wie die Azidose durch schwefelhaltige Aminosäuren, die Unterschiede zwischen rotem und weißem Fleisch oder ein Sialinsäurezucker der Autoimmunerkrankungen auslösen kann, während die gesättigten Fettsäuren und das Cholesterin an Interesse verloren haben. Diese komplexer  gewordene Sachlage erfordert eine neue, differenziertere Abwägung der Frage: schadet oder nützt Fleischverzehr der Gesundheit.</p>
<p>Fettarmes Fleisch und Fleischprodukte tragen wesentlich zu einer vollwertigen Ernährung bei und verbessern die Versorgung mit Protein, Eisen, Spurenelementen und Vitaminen, die mit pflanzlicher Kost oft nicht in ausreichender gut bioverfügbarer Menge zugeführt werden (1). Für die Spurenelemente Selen und Zink sind Produkte tierischen Ursprungs derzeit die Hauptlieferanten, bei den Vitaminen sind es die Vitamine B<sub>1</sub> (Thiamin), B<sub>6</sub> (Pyridoxin) und vor allem Vitamin B<sub>12</sub>, sowie die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Tierische Lebensmittel (z.B. Fleisch, Milch, Käse, Fisch) bieten im Vergleich zu pflanzlichen Proteinquellen etwa die doppelte Menge Eiweiß pro Gewichtsanteil. Muskelfleisch besteht zu rund einem Fünftel aus Eiweiß, das zwar mengenmäßig eine ausreichende Proteinzufuhr unterstützt, sich im Rahmen einer gesunden Kost aber nicht als alleinige Proteinquelle eignet. Der Körper ist auf eine ausbalancierte Eiweißzufuhr angewiesen, die den Aufbau und den Ersatz aller Eiweißstrukturen im Körper erlaubt. Das ist sozusagen der Mensch mit Haut und Haar, mit Knochen, Nägeln, Zellen, Organen, Blutbestandteilen, Immunglobulinen und vielem mehr. Nur eine Ernährung, die den Bedarf aller dieser Strukturen deckt, ist vollwertig. Eiweiß aus tierischen Produkten ist in diesem Sinne höherwertig als pflanzliche Proteine, da es dem menschlichen Bedarf eher entspricht. Je höherwertiger ein Protein ist, desto weniger braucht man, um den täglichen Bedarf an Eiweiß zu decken. Zur Gesunderhaltung ist deshalb nicht nur die Eiweißmenge in der Kost von Bedeutung, sondern auch deren Zusammensetzung. Konkret ist es die sogenannte „limitierende Aminosäure“, die den gesundheitlichen Wert einer Eiweißzufuhr bestimmt. Aus dieser Erkenntnis wurde das Konzept der biologischen Wertigkeit von dem deutschen Ernährungswissenschaftler Karl Thomas (1883–1969) entwickelt. Je geringer die biologische Wertigkeit der Proteinquelle ist, desto höher muss die Eiweißzufuhr sein (Tabelle 1). Die Anwendung dieser Erkenntnis auf den Menschen ist dem deutschen Biochemiker und Ernährungsforscher Ernst Kofrányi (1908–1989) zu verdanken, der umfangreiche Ernährungsstudien zur biologischen Wertigkeit gemischter Proteine durchgeführt hat. Der Gründer und mein Vorgänger im Präsidentenamt der DAEM, Prof. Dr. med. Reinhold Kluthe, entwickelte in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf dieser Basis die Kartoffel-Ei-Diät, die in der Vordialysezeit durch den minimalen Eiweißbedarf die Überlebenszeit von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz verlängerte (2).</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="236"><strong>Proteinquelle</strong></td>
<td width="95"><strong>Biologische Wertigkeit</strong></td>
</tr>
<tr>
<td width="236">Hühnerei</td>
<td width="95">100</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">35% Hühnerei und 65% Kartoffel</td>
<td width="95">137</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">75% Milch und 25% Weizenmehl</td>
<td width="95">123</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">68% Hühnerei und 32% Weizenmehl</td>
<td width="95">118</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">77% Rind, Geflügel und 23% Kartoffeln</td>
<td width="95">114</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">Reis</td>
<td width="95">81</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">Kartoffeln</td>
<td width="95">76</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">Bohnen</td>
<td width="95">72</td>
</tr>
<tr>
<td width="236">Hafer</td>
<td width="95">60</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Bezogen auf das Hühnerei, dem die biologische Wertigkeit 100 (oder 1) zugeteilt wurde, zeigten nachfolgende Untersuchungen, dass der Erhalt der verschiedenen aus Eiweiß bestehenden Strukturen unseres Körpers mit einer Mischkost aus pflanzlichem und tierischem Eiweiß am besten gedeckt wird. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch die nicht-essentiellen Aminosäuren mehr Aufmerksamkeit verdienen. Unter bestimmten Bedingungen können sie zu limitierenden Faktoren der Proteinversorgung werden (4).</p>
<p><em>Sind Fleischersatzprodukte für Veganer anzuraten – gesundheitliche Aspekte</em></p>
<p>Wird eine vegane Kost eingehalten, so kommen die im Fleisch enthaltenen Aminosäuren ins Defizit und umgekehrt. Beispielsweise haben einige Proteine aus Getreide, Nüssen und Samen nur wenig der essentiellen Aminosäure Lysin und die ebenfalls essentielle Aminosäure Methionin wird selbst mit den proteinreichen Hülsenfrüchten (Erbsen, Linsen) und Gemüsen oft unzureichend aufgenommen. Cystein ist bei vielen pflanzlichen Proteinen die limitierende Aminosäure. Bei veganer Ernährung muss also so viel Eiweiß gegessen werden, bis die limitierenden Aminosäuren ausreichend darin enthalten sind. Die erforderliche Eiweißmenge wird bei einer veganen Ernährung nur schwer erreicht und erfordert eine sehr überlegte Speisenwahl und eine sehr umfangreiche Portionsgröße, die schwer zu erreichen ist. In dieser Hinsicht sind die Fleischersatzprodukte auf Pflanzenbasis keine Alternative. Sie ergänzen nicht die in tierischen Produkten enthaltenen Aminosäuren. Vielmehr wird der Eindruck suggeriert, gesund zu leben und auf den Fleischgeschmack nicht verzichten zu müssen. Liest man die Werbung für Fleischersatzprodukte, so findet man sehr viel über Fleischgeschmack, Umami, Textur, Nachhaltigkeit und gesundheitliche Vorteile. Hinsichtlich einer vollwertigen Ernährung findet man dagegen keine Erhebungen. Auch vegane Fischalternativen sind auf dem Markt und werden mit Versprechungen beworben wie „di mare“, obwohl die darin enthaltenen Erbsen noch nie das Meer gesehen haben, geschweige denn den Jodgehalt oder die langkettigen Omega-3 Fettsäuren der Fische liefern. Im folgenden Ernährungsmediziner werden wir das näher beleuchten. Offenbar sind Modetrends wesentlich überzeugender als wissenschaftliche Argumentation.</p>
<p>Des Rätsels Lösung könnte eine Auswertung der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Studie ergeben (3). Diese Studie ist eine prospektive, von 1992 bis 2000 laufende, multizentrische Studie. Deren Ziel war die Gewinnung einer breiten Datenbasis zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Ernährung, Lebensweise, Stoffwechsel, Erbfaktoren, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen, die möglicherweise ernährungsbedingte Ursachen haben. Diese Auswertung zeigte, dass ein Konsum von bis zu 80 Gramm Fleisch pro Tag ohne gesundheitliches Risiko ist. Erst bei höheren Verzehrsmengen sind die beschriebenen Gefährdungen nicht auszuschließen. Die von der DGE vertretenen Verzehrsmengen sind 2 Fleischmahlzeiten pro Woche. Da eine Fleisch- oder Fischportion mit höchstens 200 Gramm zu Buche schlägt, liegt diese Empfehlung unter dem gesundheitlich bedenklichen Limit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Quelle:</em></p>
<p><em>Adam O.: Schadet oder nützt Fleischverzehr der Gesundheit? In: Ernährungsmedizin in der Praxis (Hrsg. O. Adam) Loseblattsammlung Akt. Lieferung 04/2021, Kpt. 2/3.4.15 Spitta-Verlag Balingen</em></p>
<p><em>Karl Huth, Reinhold Kluthe (Hrsg.): Lehrbuch der Ernährungstherapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/ New York 1987,</em></p>
<p><em>Slimani N., Margetts B.: Nutrient Intakes and Patterns in the EPIC cohorts from ten European countries. Eur J Clin Nutr 2009, Nov;63, S1-S274</em></p>
<p><em>Stehle P.(2021) Entbehrliche Aminosäuren müssen nicht Bestandteil der Ernährung sein – oder doch? In: Ernährungsmedizin in der Praxis (Hrsg. O. Adam) Loseblattsammlung Akt. Lieferung 04/2021, Kpt. 2/3.4.15 Spitta-Verlag Balingen</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Im Doppelpack: Leucin plus Fischöl zur Prävention/Therapie der Sarkopenie im Alter?</title>
		<link>https://daem.de/im-doppelpack-leucin-plus-fischoel-zur-praevention-therapie-der-sarkopenie-im-alter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Dec 2021 09:19:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Erhalt der Muskelmasse und -funktion im Alter ist wegen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft von allgemeinem Interesse, vorwiegend bezogen auf Mobilität, Unabhängigkeit und Lebensqualität der Bevölkerung. Nach bisherigen Daten benötigen ältere Erwachsene ~0,4 g Protein/kg KG/Hauptmahlzeit für eine maximale [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-1298" src="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/12/Fischöl_pexels-leohoho-8441517.jpg" alt="" width="1024" height="683" /><br />
Der Erhalt der Muskelmasse und -funktion im Alter ist wegen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft von allgemeinem Interesse, vorwiegend bezogen auf Mobilität, Unabhängigkeit und Lebensqualität der Bevölkerung. Nach bisherigen Daten benötigen ältere Erwachsene ~0,4 g Protein/kg KG/Hauptmahlzeit für eine maximale Stimulation der myofibrillären Proteinsynthese, d.h. ~67% mehr als jüngere (0,24 g/kg/Mahlzeit) (Moore et al. 2015). Typischerweise verzehren Ältere suboptimale Proteinmengen zum Frühstück und Mittagessen (~0,1-0,3 g/kg/Mahlzeit) (Tieland et al. 2015, Hone et al. 2020), Basis einer negativen Muskeleiweißbilanz. Studien bei älteren Erwachsenen berichten eine Steigerung der muskulären Proteinsysnthese durch die Zugabe der Aminosäure Leucin (Murphy et al. 2016), was im Langzeitversuch zu einer Vermehrung der Muskelmasse und -kraft bei gesunden und sarkopenen Älteren führt, dies interessanterweise auch ohne begleitendes körperliches Training (Chanet et al. 2017, Bauer et al. 2015). Weiterhin führen auch langkettige mehrfach ungesättigte n-3-Fettsäuren aus Fischöl bei älteren Männern und Frauen mit sitzender Lebensweise zu vermehrter Muskelmasse und -kraft bei Steigerung der Empfindlichkeit des älteren Muskelgewebes für Aminosäuren.</p>
<p>In der referierten Studie von Murphy, CH et al. (2021) sollte daher überprüft werden, ob die appendikuläre Muskelmasse und -kraft sowie die physikalische Leistungsfähigkeit bei Älteren gegenüber dem Effekt einer alleinigen Leucin-Supplementation durch begleitende n-3-Fischöl-Gabe weiter gesteigert werden kann. <em>Von Dr. W. Burghardt</em></p>
<p>Eine irische Arbeitsgruppe untersuchte in einer 24-wöchigen, dreiarmigen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie 107 gesunde Männer und Frauen ≥ 65 (im Mittel 70-73) Jahre mit niedriger Muskelmasse und/oder -kraft i.S. eines Sarkopenierisikos (mittlerer BMI 24,8-26,7 kg/m², körperliche Aktivität im Mittel 8192-8354 Schritte/d). Zweimal täglich erfolgte in Ergänzung zur normalen Ernährung der Verzehr eines Protein-Supplements mit Leucin (3 g Leucin, 10 g Protein; LEU-PRO; n=38) allein oder in Kombination mit langkettigen n-3-PUFA (0,8 g EPA, 1,1 g DHA; LEU-PRO+n-3; n=31) im Vergleich zu einer isoenergetischen Kontrollgruppe (n=31). Gemessen wurden neben einer Vielzahl weiterer Parameter (u.a. Ernährung, Fettmasse, Fettsäureprofil, biochemische Parameter der metabolischen und renalen Funktion) die appendikuläre Magermasse (Extremitätenmuskulatur, DXA), die Hand- und Beinkraft, die physikalische Leistungsfähigkeit, daneben in einer Untergruppe die myofibrilläre Proteinsynthese im Beinmuskel (Deuterium-Methode). Die Tests erfolgten zum Zeitpunkt 0, 12 und 24 Wochen, Muskelbiopsien nur am Anfang und Ende der gesamten Studie.</p>
<p>Im Ergebnis hatte weder die LEU-PRO- noch die LEU-PRO+n-3-Supplementation Einfluss auf die appendikuläre Magermasse, Handkraft, Kraft der Kniestreckung, physikalische Leistungsfähigkeit oder myofibrilläre Proteinsynthese, die maximale Kraft der isometrischen Kniebeugung in der Kombinationstestgruppe war zu Testende sogar gegenüber Kontrollen reduziert. In der Kombinationsgruppe waren Serum-Triglyzeride und Plasma-Adiponectin erniedrigt, HOMA-IR (Insulinresistenz) war erhöht. Die glomeruläre Filtrationsrate war höher, Cystatin C niedriger in beiden Supplementationsgruppen.</p>
<p>Das Resultat dieser nach Einschätzung der Autoren ersten Studie mit einer kombinierten Supplementation von Leucin und Fischöl zur Prävention/Therapie einer Sarkopenie im Alter ist enttäuschend. Nach 24-wöchiger Supplementation mit Leucin-angereichertem Protein allein oder in Kombination mit langkettigen n-3-ungesättigten Fettsäuren konnte entgegen den Erwartungen bei älteren Erwachsenen mit erhöhtem Sarkopenierisiko keine Verbesserung der Masse oder Kraft der Extremitätenmuskulatur und keine verbesserte Muskeleiweißsynthese festgestellt werden. Neben der Maximalkraft bei der Kniebeugung war auch der Sit-to-Stand-Test, ein etablierter Standard für die physikalische Performance, in der Kombinationsgruppe schlechter (nicht jedoch in der Gruppe mit alleiniger Leucin-Supplementation).</p>
<p>Aus der Literatur (Smith et al. 2015, Hutchins-Wiese et al. 2013) sind bei vergleichbaren Kollektiven und vergleichbarer Versuchsdauer positive Ergebnisse auf Muskelkraft und -masse durch Supplementation mit langkettigen n-3-ungesättigten Fettsäuren bekannt, aber auch fehlende Effekte bei bis zu 3-jähriger n-3-Fettsäuren-Supplementation (Rolland et al. 2019, Bischoff-Ferrari et al. 2020), wobei allerdings niemals ungünstige Effekte berichtet wurden.</p>
<p>Erklärend könnte nach Ansicht der Autoren sein, dass in der referierten Studie die Kontrollgruppe im Untersuchungszeitraum unerwartet an Kraft im Kniebeugungstest zugelegt hatte, dass auf der anderen Seite bei Studienbeginn die Kombinationsgruppe ein höheres Risikoprofil aufwies (höherer BMI, höhere Fettmasse und HOMA-IR, gering erhöhte Inflammationszeichen, alles i.S. einer erhöhten Insulinresistenz).</p>
<p>Ein ausbleibender Effekt einer Leucin-Supplementation auf die appendikuläre Magermasse, Muskelkraft oder Leistungsfähigkeit wurde bereits in anderen doppelblinden RCTs mit Supplementation von Leucin, essenziellen Aminosäuren und/oder Eiweiß bei älteren inaktiven Erwachsenen gesehen. Der in der aktuellen Untersuchung gegebene basale Eiweißverzehr von 1,0-1,2 g/kg KG/d entspricht der Eiweißmenge, die zum Erhalt der Muskelmasse bei gesunden älteren Erwachsenen empfohlen wird. So könnte die Supplementation mit Leucin-angereichertem Protein keinen zusätzlichen Effekt gehabt haben. Andererseits war der basale Leucinverzehr zu den Mahlzeiten (zum Frühstück ~1,5 g, zum Mittagessen ~2 g) suboptimal und konnte durch die Supplementierung auf ~3,5-4 g pro Mahlzeit gesteigert werden, was der Leucin-Dosierung mit maximalem Effekt auf die Stimulierung der myofibrillären Proteinsynthese entspricht. Interessanterweise liegen auch doppelblinde RCTs vor, die bei einer Proteinbasisversorgung von 1-1,3 g/kg Verbesserungen von Muskelmasse und/oder Leistungsfähigkeit nach Supplementierung mit Leucin (3 g Leucin, 20 g Protein) plus Vitamin D (20 µg) einmal täglich bei gesunden und zweimal täglich bei sarkopenen älteren Erwachsenen zeigen (Chanet et al. 2017, Bauer et al. 2015). Insofern mag die Vitamin-D-Komponente den Unterschied zum fehlenden Leucin-Effekt der aktuellen Studie ausgemacht haben.</p>
<p>Der in der aktuellen Studie ausgebliebene Effekt von Leucin allein und Leucin plus n-3-Fischöl auf die myofibrilläre Proteinsynthese war von anderen Autoren mit höheren Leucin-Protein-Dosen (Leucin 5 g/Mahlzeit 3 x täglich, bzw. 4,2 g Leucin und 15 g Protein 2 x täglich) dagegen gesehen worden (Murphy et al. 2016, Devries et al. 2018), teilweise allerdings nur in Kombination mit Krafttraining. Insofern sollte bei fehlender Möglichkeit solchen Trainings eine höhere Leucin/ Leucin-Protein-Dosis eingesetzt werden. Der Einfluss einer schwierigeren Muskelbiopsie bei älteren Erwachsenen mit Einfluss auf die Analyse der myofribrillären Eiweißsynthese muss ebenfalls berücksichtigt werden. Möglicherweise auch reagieren Subgruppen älterer Erwachsener unterschiedlich auf eine Supplementation mit Leucin plus n-3-Fischöl, was in Folgestudien zu berücksichtigen wäre.</p>
<p>In jedem Falle bleibt die Erkenntnis, dass ein einfaches Anhäufen von viel versprechenden Ernährungsfaktoren (Leucin-angereichertes Protein und Fischöl-Supplemente), gar noch ohne wesentliche körperliche Aktivität, nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung des sarkopenen Risikos im Alter führt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://daem.de/im-doppelpack-leucin-plus-fischoel-zur-praevention-therapie-der-sarkopenie-im-alter/">Im Doppelpack: Leucin plus Fischöl zur Prävention/Therapie der Sarkopenie im Alter?</a> erschien zuerst auf <a href="https://daem.de">DAEM</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Entbehrliche Aminosäuren müssen nicht Bestandteil der Ernährung sein &#8211; oder doch?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Dec 2021 08:45:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aktuelle Forschungsarbeiten nagen an einem Stützpfeiler der Diätetik: Bei der Bewertung des Proteinanteils einer Ernährungsmaßnahme ist neben der Quantität nur der Anteil an „unentbehrlichen Aminosäuren“ als Qualitätsmerkmal entscheidend; als „entbehrlich“ eingestufte Aminosäuren dienen lediglich als Quelle für Stickstoff und sind [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://daem.de/entbehrliche-aminosaeuren-muessen-nicht-bestandteil-der-ernaehrung-sein-oder-doch/">Entbehrliche Aminosäuren müssen nicht Bestandteil der Ernährung sein &#8211; oder doch?</a> erschien zuerst auf <a href="https://daem.de">DAEM</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-1298 " src="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/12/Amino-acid.png" alt="" width="322" height="290" /><br />
Aktuelle Forschungsarbeiten nagen an einem Stützpfeiler der Diätetik: Bei der Bewertung des Proteinanteils einer Ernährungsmaßnahme ist neben der Quantität nur der Anteil an „unentbehrlichen Aminosäuren“ als Qualitätsmerkmal entscheidend; als „entbehrlich“ eingestufte Aminosäuren dienen lediglich als Quelle für Stickstoff und sind hinsichtlich ihres Musters (jeweiliger Anteil an der Kost) nicht vorgegeben. Dieses Vorgehen beruht auf der „traditionellen“, seit den 1950er Jahren existierenden, biochemisch motivierten Klassifizierung: entsprechend dem Ja-Nein-Prinzip (körpereigene <em>de novo</em>-Synthese einer Aminosäure generell möglich oder nicht) wurde davon ausgegangen, dass bei einer Ja-Antwort (als Ergebnis von tierexperimentellen und klinischen Eliminationsstudien) diese Aminosäure in allen Lebenssituationen (auch bei Krankheit!) stets aus im Körper verfügbaren Vorstufen in bedarfsdeckenden Mengen gebildet wird und daher nicht exogen zugeführt werden muss (-&gt; nicht-essenzieller Nährstoff). Dementsprechend sind Referenzwerte für die tägliche Zufuhr nur für essenzielle Aminosäuren erarbeitet worden.</p>
<p>In einer aktuellen Übersichtsarbeit bewerten <em>Madeleine A. Ennis</em> und <em>Rajavel Elango</em>, Mitglieder eines renommierten kanadischen Forschungsteams mit Schwerpunkt Aminosäurenstoffwechsel, bisher verfügbare klinische Daten, die zu einer weitreichenden Überarbeitung der Klassifizierung von proteinogenen Aminosäuren führen können bzw. müssen <em>(</em>&#8222;A discussion on the &#8218;dispensable&#8216; amino acids&#8220; <em>Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2021)</em>. Das Autorenteam stellt zunächst fest, dass mit der Einführung der auf pathophysiologischen Erkenntnissen (Studien bei Schwerkranken, Studien bei genetisch bedingten Stoffwechselkrankheiten) beruhenden alternativen Einteilung der Aminosäuren in „unentbehrlich, bedingt unentbehrlich, entbehrlich“ die ursprüngliche Rationale (wenn endogene Synthese generell möglich, dann keine exogene Zufuhr notwendig) bereits begründet aufgegeben wurde. Kürzlich durchgeführte Interventionsstudien zeigen jetzt erstmals, dass es (unter bedarfsdeckender Zufuhr von allen unentbehrlichen Aminosäuren und von Stickstoff) durch die gezielte Supplementierung mit einzelnen entbehrlichen Aminosäuren auch bei gesunden Erwachsenen zu einem Anstieg der Proteinsyntheserate (Methodik: Indikator-Aminosäuren-Oxidation, IAAO) kommt und damit der Proteinstoffwechsel aktiv unterstützt wird. Dies konnte mit Ausnahme von Glutamin und Prolin für alle entbehrlichen Aminosäuren beobachtet werden. Besonders interessant sind auch Untersuchungen in der späten Schwangerschaft: Bei sonst adäquater Ernährung (isoenergetisch und isonitrogen) führte eine schrittweise Erhöhung der Glycin-Aufnahme, bekanntlich eine entbehrliche Aminosäure, zu einem parallelen Anstieg der Proteinsynthese, wobei nach Erreichen einer bestimmten Zufuhrmenge (ca. 37 mg/kg Körpergewicht) ein Plateau erreicht wurde.</p>
<p>Die Forschergruppe zog den vorsichtigen Schluss, dass dieser Wert als „metabolischer Bedarf“ in der späten Schwangerschaft definiert werden könnte. Ein „metabolischer“ bzw. „funktioneller Bedarf“ wurde auch für die Glutaminsäure in Wachstumsphasen und für Schwangere und Stillende postuliert.</p>
<p>Wie sind diese bisher vorliegenden Ergebnisse zu interpretieren? Seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass es in akuten bzw. chronischen Krankheitssituationen zu einer Einschränkung der endogenen Syntheseaktivität für bestimmte Aminosäuren bei gleichzeitig steigendem Stoffwechselbedarf kommen kann (Beispiel Glutamin). Diese Beobachtungen waren ja bekanntlich die Grundlage zur ersten Überarbeitung der Aminosäuren-Einteilung und die Einordnung von Glutamin, Tyrosin, Cystein und Arginin als „(krankheits-)bedingte unentbehrliche“ Nährstoffe, verbunden mit neuen Vorgaben für die jeweilige Ernährungstherapie. Die jetzt vorliegenden Daten zur Rolle von entbehrlichen Aminosäuren im Proteinstoffwechsel deuten stark darauf hin, dass es auch bei Gesunden in unterschiedlichen physiologischen (Lebens-)Situationen zu einer „Unterversorgung“ mit entbehrlichen Aminosäuren kommen könnte, möglicherweise durch einen stark ansteigenden Bedarf zur Unterstützung metabolischer Prozesse. Bestätigt sich diese Arbeitshypothese in weiteren Studien, müssen wir unsere „zementierte“ Vorgabe, dass auch aus präventiver Sicht nur auf die Menge und Vollständigkeit der unentbehrlichen Aminosäuren in der gewählten Kost geachtet werden muss, dagegen die Zusammensetzung der entbehrlichen Aminosäuren (durchschnittlich 75% der Gesamt-Zufuhr) „frei gestaltbar“ ist, tatsächlich abbrechen. Für die Bewertung der Qualität eines Nahrungsproteins und für die Gestaltung diätetischer Maßnahmen würde dies sicherlich einer „Revolution“ gleichkommen. Es bleibt spannend!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://daem.de/entbehrliche-aminosaeuren-muessen-nicht-bestandteil-der-ernaehrung-sein-oder-doch/">Entbehrliche Aminosäuren müssen nicht Bestandteil der Ernährung sein &#8211; oder doch?</a> erschien zuerst auf <a href="https://daem.de">DAEM</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kochsalzersatz kann hohen Blutdruck senken und kardiovaskuläre Komplikationen verhindern</title>
		<link>https://daem.de/kochsalzersatz-kann-hohen-blutdruck-senken-und-kardiovaskulaere-komplikationen-verhindern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Dec 2021 08:43:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Studie von Neal B et al. Effect of Salt Substitution on Cardiovascular Events and Death. NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2105675. Zusammengefasst von Prof. Dr. Gerd Bönner. Eine Kochsalzrestriktion führt bei Hypertonikern in der Regel zu einer Blutdrucksenkung, sei es spontan [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-1298" src="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/12/Salz_pexels-tara-winstead-6690838.jpg" alt="" width="1024" height="683" /><br />
Eine Studie von Neal B et al. Effect of Salt Substitution on Cardiovascular Events and Death. NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2105675.</p>
<p><strong>Zusammengefasst von Prof. Dr. Gerd Bönner.</strong></p>
<p>Eine Kochsalzrestriktion führt bei Hypertonikern in der Regel zu einer Blutdrucksenkung, sei es spontan aufgrund einer Salzsensitivität oder sekundär durch ein besseres Ansprechen auf Antihypertensiva. In alten Studien (TOPH I und II) konnte bereits gezeigt werden, dass durch die Blutdrucksenkung kardiale Ereignisse reduziert werden. Für die kardiale Mortalität waren die Ergebnisse noch nicht signifikant. Da sich in den letzten Jahren herausgestellt hat, dass eine gleichzeitige Kaliumsubstitution den Effekt der Natriumrestriktion verstärkt, haben nun Forscher in China untersucht, welchen Effekt die Natriumrestriktion durch Gabe von Kaliumersatzsalzen auf das kardiovaskuläre Risiko von Hypertonikern mit hohem Risiko hat. Versuche, Kochsalz gänzlich durch Kaliumsalz zu ersetzen, scheiterten daran, dass Kaliumchlorid einen ausgeprägten metallischen Geschmack hat und den Genuss der mit ihm gesalzenen Kost negativ beeinträchtigt. Deshalb haben die Forscher der SSaSS Studie (The Salt Substitute and Stroke Study) nur 25 % des Kochsalzes durch Kaliumsalz ersetzt.</p>
<p>In der Studie wurde der Einfluss einer 25 %igen Kochsalzsubstitution durch Kaliumchloridsalz untersucht. In einer offenen, randomisierten, kontrollierten Studie mit verschlüsselter Endpunktauswertung wurde geprüft, ob durch den Austausch des NaCls der Blutdruck langfristig gesenkt werden kann und ob hierüber kardiovaskuläre Endpunkte beeinflusst werden können. Dazu wurden in China in 10 Bezirken von 5 Provinzen ländlicher Prägung 600 Dörfer randomisiert, 300 Dörfer mit der Kochsalzsubstitution und 300 Dörfer ohne Kochsalzsubstitution. In jedem Dorf wurden 35 Hypertoniker über 60 Jahre und mit erhöhtem Blutdruck mit und ohne Apoplex in die Studie eingeschlossen. Alle Patienten wurden aufgefordert, ihre Speisen möglichst selber zu kochen, damit der Fremdeinfluss von Fertigessen auf ein Minimum reduziert werden kann. Das Natrium-Kalium-Salzsubstituat wurde von der Studienleitung kostenfrei zur Verfügung gestellt.</p>
<p>Den Kaliumstoffwechsel beeinflussende Medikamente wurden ausgeschlossen. Die Studiendauer betrug im Mittel 4,7 Jahre. Das Alter der 20.995 Patienten der Studie lag bei 65,4 Jahre. Der Blutdruck sank im Studienzeitraum unter dem Austauschersalz um 3,4/0,7 mmHg. Darunter kam es in der Verum-Gruppe zu einem Rückgang der Apoplexinzidenz um 14% und der kardiovaskulären Ereignisse um 13%. Die Gesamtmortalität sank um 12% hochsignifikant. Es kam zu keinem klinisch relevanten Anstieg von Hyperkaliämien. Die Studie zeigte zudem, dass ein Austausch von nur 25% NaCl durch KCl von den Patienten über lange Zeit geschmacklich toleriert wird (annähernd 92% Adhärenz über 5 Jahre). Ob diese positiven Effekte des Salzaustausches durch Änderungen in der begleitenden Pharmakotherapie zusätzlich beeinflusst wurden, kann nicht eruiert werden, da diese im Verlauf der Studie nicht erfasst worden sind. Dies bleibt trotz der Randomisierung der Dörfer und der hohen Patientenzahl eine Schwäche der Studie.</p>
<p>Aufgrund der Ergebnisse könnte man schnell zu dem Schluss kommen, KCl-Austauschersalze mit 25% KCl bei allen Hypertoniker einzusetzen. Gegen eine solche globale Empfehlung spricht aber, dass in der SSaSS-Studie keine Hypertoniker mit Nierenerkrankungen untersucht wurden. Da bei diesen Patienten die Gefahr einer Hyperkaliämie deutlich erhöht ist, muss eine Kaliumsubstitution kritischer betrachtet und die Patienten engmaschiger überwacht werden. Es ist ratsam, diese Patienten initial nicht mit KCl-Salzen zu behandeln bis die Sicherheit solcher Salze auch für dieses Kollektiv nachgewiesen wurde. Aus diesem Grunde kann auch der Einsatz von Natrium-Kalium-Austauschsalzen in der Lebensmittelindustrie aktuell noch nicht empfohlen werden. Baldige Studien mit Einschluss von Nierenpatienten wären deshalb äußerst wünschenswert. So bleiben dem Arzt zurzeit nur die individuellen Empfehlungen an seine Patienten zur Kochsalzreduktion, wobei neben dem Meiden von industriellen Fertigprodukten der häusliche Einsatz von Kaliumersatzsalzen mit niedrigem KCl-Anteil (z.B. 25%) zunehmend eine Rolle spielen sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Deutsche Adipositas Allianz (DAA)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Nov 2021 08:47:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Deutsche Adipositas Allianz setzt sich dafür ein, das Bewusstsein für und die Haltung zu Adipositas in der Gesellschaft grundlegend zu wandeln und Potenziale für eine verbesserte Prävention, Diagnostik, Forschung und Versorgung der chronischen Erkrankung Adipositas zu heben. Die DAA [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Deutsche Adipositas Allianz setzt sich dafür ein, das Bewusstsein für und die Haltung zu Adipositas in der Gesellschaft grundlegend zu wandeln und Potenziale für eine verbesserte Prävention, Diagnostik, Forschung und Versorgung der chronischen Erkrankung Adipositas zu heben.</p>
<p>Die DAA entwickelt sich fortwährend weiter als Plattform, die von Betroffenen und Beteiligten genutzt wird, um sich umfassend und frühzeitig auszutauschen und abzustimmen bei der Weiterentwicklung des gesamten Feldes von Adipositas und der damit verbundenen Bereiche. Sie fördert eine hohe integrative Dialog- und Begegnungsqualität und schafft Voraussetzungen für möglichst abgestimmtes Vorgehen. Dieses umfasst, Zielkonflikte offen und lösungsorientiert zu adressieren, zu integrieren und auszubalancieren. Kräfte und Ressourcen der Beteiligten sollen möglichst gebündelt werden; eine immer vertrauensvollere (gerade angesichts von partiell divergierenden Einzelinteressen) aber auch innovative Kooperationskultur gilt es zu ermöglichen. Herausforderungen, wie z.B. die Digitalisierung oder ein breiter gesellschaftlicher Bewusstseinswandel können so gemeinsam aufgegriffen werden, statt nur “Insel- oder Partiallösungen” zu schaffen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund soll es u.a. auch für die Vertreter der Gesundheitspolitik vereinfacht werden, die Entwicklung des Feldes Adipositas als wichtige gesellschaftliche Initiative voranzubringen, ohne einer fast unüberschaubaren Kakophonie von Einzelperspektiven und -interessen gegenüberzustehen.</p>
<p>Die DAA bietet (externen) interessierten Personen und Gruppen sowie Organisationen und Unternehmen, die sich auf dem Feld der Adipositas informieren oder engagieren wollen  auch eine vereinfachte Möglichkeit sich schneller auf dem vielfältigen Feld der mit und für Adipositas Engagierten zu orientieren und anzuknüpfen.</p>
<p>Erfolge und Fortschritte der DAA werden anhand von gemeinsamen Projekten und Zielsetzungen sowie dem Austausch mit vielen relevanten Gruppierungen in der Gesellschaft erreicht. Adipositas wird von den Beteiligten als medizinische, menschliche und gesellschaftspolitische Herausforderung gesehen, aber auch als eine Chance zur gemeinsamen eigenen Weiterentwicklung.</p>
<h3>Mitglieder</h3>
<p>2021 fand die formale Vereinsgründung der DAA statt. Der Vorstand der DAA besteht aus Alexander Krauß (Vorstandsvorsitzender der DAA), Andreas Herdt (stellvertretender Vorsitzender) und Dr. Christine Stier. Die Mitglieder (Stand September 2021) der DAA kommen aus den Bereichen Patienten, Politik, Wissenschaft, Versorgung, Industrie und Kassen. Sie eint das Bestreben, das Leben der Menschen mit Adipositas zu verbessern.<div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid" ><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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<h3>Historie</h3>
<p>2018 wurde die Deutsche Adipositas Allianz anlässlich der Obesity Week gegründet, mit der Vision, eine Plattform für alle relevanten Akteure im Indikationsfeld Adipositas zu schaffen. Die Gruppe der Gründer bestand aus der deutschen OPEN (Obesity Policy Engagement Network) Delegation mit Alexander Krauß (Mitglied des Bundestages, CDU) MdB, Melanie Bahlke und Andreas Herdt, (Vertreter der Adipositas Selbsthilfe), der Medizinerin Dr. Christine Stier (Fachärztin für Allgemeinchirurgie, Endoskopie, Ernährungsmedizin), Daniela Rimpf (Patients Relations Manager Novo Nordisk) und Thomas Hegemann (Organisationsentwickler und Strategieberater).</p>
<h3>Ziele</h3>
<p>Die in der DAA versammelten Akteure haben sich auf einen gemeinsamen Katalog von Zielen geeinigt. Die Ziele decken die Felder Prävention und Therapie, Forschung und Lehre, sowie Stigmatisierung und Diskriminierung ab.</p>
<p>Unser Anliegen ist die Verbesserung der Gesamtsituation für Menschen, welche von der chronischen Erkrankung Adipositas betroffen sind und nicht nur einzelner Aspekte.</p>
<p>Durch effektive Präventionsmaßnahmen soll die Anzahl der Neuerkrankungen gesenkt werden. Um die Inzidenz und Prävalenz der Adipositas zu senken, soll der Zugang zu leitliniengerechten Therapien für Patienten mit Adipositas sichergestellt werden.</p>
<p>Parallel hierzu ist die Erforschung der Adipositas zu intensivieren, um das Verständnis für die Komplexität der Entstehung von Adipositas sowie für mögliche therapeutische Wirkmechanismen zu verbessern. In der Folge kommt es zur Entwicklung von effektiveren Präventionsmaßnahmen und Therapien. Begleitend muss der aktuelle Stand der Wissenschaft als Lehrinhalte in der Aus- und Weiterbildung der Gesundheitsberufe integriert und vermittelt werden. <div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid" ><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>Das Leben der Menschen mit Adipositas ist von Stigmatisierung und Diskriminierung geprägt. Aufklären kann helfen, um Adipositas als Krankheit anzuerkennen, Vorurteile gegenüber Betroffenen zu reduzieren sowie die Integration und Teilhabe von Menschen mit Adipositas in der Gesellschaft zu befördern und gesellschaftspolitische Barrieren zu eliminieren.</p>
<p>Allen Beteiligten ist klar, dass es im Gesundheitswesen häufig nicht an Expertise und auch nicht an Mitteln fehlt. Sehr häufig ist auch der Mangel an abgestimmtem, gemeinsamem reflektiertem und konzertiertem Vorgehen, auch im Sinne eines professionellen und übergreifenden Projektmanagements, eine Quelle von zu geringer Dynamik und Mangel an Fortschritt sowie vermeidbaren Frustrationen und Friktionen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kontakt: <a href="http://adipositas-allianz.de/" target="_blank" rel="noopener">http://adipositas-allianz.de/</a></p>

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		<title>Ernährung und Depressionen – Ein neues Forschungsfeld der Ernährungsmedizin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2021 09:53:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Du bist, was du isst“ &#8211; dass Ernährung nicht nur unseren Körper, sondern auch unseren Gemütszustand beeinflusst, ist sicherlich nichts Neues. Auch wenn jedem die glückbringende Wirkung von Schokolade bekannt ist, steht der Zusammenhang zwischen Ernährung(stherapie) und psychischen Erkrankungen noch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-1292" src="/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1345239707-1024x669.jpg" alt="" width="1024" height="669" srcset="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1345239707-1024x669.jpg 1024w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1345239707-300x196.jpg 300w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1345239707-768x502.jpg 768w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1345239707-1536x1004.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></strong></p>
<p><strong>„Du bist, was du isst“ &#8211; dass Ernährung nicht nur unseren Körper, sondern auch unseren Gemütszustand beeinflusst, ist sicherlich nichts Neues. Auch wenn jedem die glückbringende Wirkung von Schokolade bekannt ist, steht der Zusammenhang zwischen Ernährung(stherapie) und psychischen Erkrankungen noch allzu wenig im Fokus.</strong> <em>Von L. Maier</em></p>
<p>Ein neues Forschungsgebiet, die &#8222;Ernährungspsychiatrie&#8220;, hat sich in den letzten Jahren mit dem Ziel entwickelt, die für die psychische Gesundheit besonders wichtigen Nahrungsbestandteile zu identifizieren und gegebenenfalls die Verschreibung von Ernährungsmodifikationen/-supplementen zur Vorbeugung oder Behandlung von Stimmungsstörungen mit einzubeziehen. Hinweise aus klinischen Studien und epidemiologischen Untersuchungen in Bezug auf die Behandlung bei Depressionen deuten darauf hin, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung, reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, fettarmen Milchprodukten, mageren Proteinen und Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren die Symptome bei depressiven Personen verbessern kann.</p>
<p>Die Entstehung einer depressiven Erkrankung ist meist multifaktoriell. Neben genetischen und kognitiven Faktoren spielen physiologische Prozesse eine wesentliche Rolle. Es ist bekannt, dass die daran beteiligten Biomarker und molekularen Mechanismen durch verschiedene Lebensmittel und Lebensmittelverbindungen moduliert werden können, wodurch diese als modifizierbare Faktoren in der Forschung an Bedeutung gewinnen. Bei einer Depression geraten vorrangig die Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn aus dem Gleichgewicht, die an der Regulierung von Stimmung, Appetit und Kognition beteiligt sind. Aminosäuren und Nährstoffe wie Tryptophan, Phenylalanin, Tyrosin, Histidin, Glutaminsäure, Cholin oder Vitamin B<sub>6</sub>, Vitamin B<sub>12</sub>, Folsäure (Folat) sind für die Produktion jener Neurotransmitter notwendig. Darüber hinaus wird die dopaminerge und serotonerge Neurotransmission von essentiellen Omega-3-Fettsäuren reguliert. Auch Vitamin D, Magnesium und Zink wurden mit dem psychischen Gesundheitsstatus in Verbindung gebracht. Die Behandlung von Mängeln an eben jenen Nährstoffen ist bei Personen mit Depressionen von entscheidender Bedeutung.</p>
<p>Neben dem Einfluss bestimmter Nährstoffe ist eine gesunde Darmmikrobiota für den Serotoninstoffwechsel essentiell, da sich mindestens 90% der Serotoninrezeptoren im Darm befinden. Durch die bidirektionale Interaktion zwischen dem Gehirn und dem Darm, durch die Nährstoffe mithilfe des komplexen Nervengeflechts im Magen-Darm-Trakt direkt auf das Gefühlszentrum des Gehirns Einfluss nehmen können, kommt der sogenannten „Darm-Hirn-Achse“ eine äußerst bedeutende Rolle bei der Verbindung zwischen Ernährung und Stimmungsstörungen zu. Auch bestimmte Bakterienstämme beeinflussen unsere Stimmung, wodurch ernährungsbasierte Strategien zur Modulation der Darmmikrobiota vielversprechend sind. Sowohl Probiotika (in Form von fermentierten Lebensmitteln) als auch Präbiotika (Ballaststoffe) helfen dabei, die „guten“ Darmbakterien zu schützen und ein Gleichgewicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Darmbakterien zu schaffen.</p>
<p>Über deregulierte Neurotransmitter und Veränderungen des Darmmikrobioms hinaus werden gesteigerte Entzündungswerte im Körper mit psychischen Symptomen assoziiert: Patienten mit Depressionen weisen erhöhte Werte an pro-inflammatorischen Zytokinen auf. Eine anti-entzündliche Ernährung sollte daher Hauptbestandteil einer entsprechenden Ernährungstherapie darstellen. So sind vor allem entzündungsfördernd wirkende raffinierte Kohlenhydrate, Transfette und stark verarbeitete Lebensmittel zu meiden. Anti-entzündlich wirken dagegen vor allem Lebensmittel mit polyphenolischen Verbindungen (z.B. Blaubeeren, grüner Tee, Curcumin und Kakao), Omega-3-Fettsäuren (v.a. EPA und DHA), Antioxidantien und Ballaststoffe. Eine Ernährungsweise, die sich überwiegend durch anti-entzündliche Nährstoffe auszeichnet und nachweislich die systemische Entzündung reduziert, ist die mediterrane Ernährungsweise.</p>
<p>Der Einfluss einer höheren Ernährungsqualität durch eine modifizierte mediterrane Diät auf depressive Symptome wurde in einer aktuelleren randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) aus dem Jahr 2017 untersucht: Bei der SMILES-Studie (Supporting the Modification of Lifestyle in Lowered Emotional States) wurden Teilnehmer randomisiert in die Interventionsgruppe (n=31), die nach einer Ernährungsberatung eine mediterrane Diät einhalten sollte oder in die Kontrollgruppe (n=25), die nur soziale Unterstützung bekam. Nach einem 12-Wochen-Zeitraum wurde in der Interventionsgruppe eine stärkere Reduktion ihrer depressiven Symptome gemessen als in der Kontrollgruppe (gemessen mit der Montgomery Asberg Depression Rating Scale (MADRAS) mit einem Gesamteffekt von -1,16). Die Effekte waren unabhängig von Veränderungen der körperlichen Aktivität oder des Körpergewichts und hingen eng mit dem Ausmaß der Ernährungsumstellung zusammen. Die modifizierte mediterrane Diät basierte auf den australischen Ernährungsrichtlinien und den griechischen Ernährungsrichtlinien für Erwachsene und umfasste empfohlene Portionen für 12 Lebensmittelgruppen: Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, fettarme und ungesüßte Milchprodukte, rohe und ungesalzene Nüsse, Fisch, mageres rotes Fleisch, Eier, Hühnchen, Olivenöl und eine begrenzte Aufnahme von Süßigkeiten, raffiniertem Getreide, frittierten Lebensmitteln, Fast Food, verarbeitetem Fleisch und zuckerhaltigen Getränken (Jacka et al., 2017).</p>
<p>Die in der beschriebenen RCT und in einigen systematischen Übersichtsarbeiten (Khalid et al., 2016; O’Neil et al., 2014) postulierte Assoziation eines gesunden Ernährungsmusters bzw. einer höheren Ernährungsqualität mit niedrigeren Depressionswerten deutet darauf hin, dass die Verbesserung der Ernährung unter Anleitung einer klinischen Ernährungsfachkraft eine wirksame Behandlungsstrategie darstellen kann und die Ernährungsmedizin ein Schwerpunkt in der psychiatrischen Praxis für Stimmungsstörungen sein sollte.</p>
<p>Die Wirkmechanismen, die die Ernährung mit gesundheitlichen Ergebnissen in Verbindung bringen, sind komplex, vielschichtig, interagieren miteinander und sind nicht auf einen einzelnen biologischen Pfad beschränkt. Diätetische Interventionen können Nährstoffinterventionen (z. B. Omega-3-Fettsäuren), Nahrungsmittelinterventionen (z. B. grüner Tee, Olivenöl) und Interventionen der gesamten Ernährung (z.B. mediterrane Ernährung) umfassen. Ernährungsbasierte Interventionen müssen verfeinert und ausgeweitet werden, um einen maximalen Nutzen bei der Behandlung psychischer Störungen zu erzielen.</p>
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		<title>Einfluss der Ernährung auf orale Entzündungen: Eine Interventionsstudie des Universitätsklinikums Freiburg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2021 09:48:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zucker verursacht Karies – so haben wir es von Kindesbeinen an gelernt. Dass sich aber auch die Gesundheit des Zahnfleisches wesentlich durch die Auswahl an Lebensmitteln beeinflussen lässt, ist weniger bekannt. Dieser Zusammenhang wurde in einer Interventionsstudie des Universitätsklinikums Freiburg [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://daem.de/einfluss-der-ernaehrung-auf-orale-entzuendungen-eine-interventionsstudie-des-universitaetsklinikums-freiburg/">Einfluss der Ernährung auf orale Entzündungen: Eine Interventionsstudie des Universitätsklinikums Freiburg</a> erschien zuerst auf <a href="https://daem.de">DAEM</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1290 size-large" src="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/engin-akyurt-NKTJCOHzrUM-unsplash-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/engin-akyurt-NKTJCOHzrUM-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/engin-akyurt-NKTJCOHzrUM-unsplash-300x200.jpg 300w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/engin-akyurt-NKTJCOHzrUM-unsplash-768x512.jpg 768w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/engin-akyurt-NKTJCOHzrUM-unsplash-1536x1024.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></strong></p>
<p><strong>Zucker verursacht Karies – so haben wir es von Kindesbeinen an gelernt. Dass sich aber auch die Gesundheit des Zahnfleisches wesentlich durch die Auswahl an Lebensmitteln beeinflussen lässt, ist weniger bekannt. Dieser Zusammenhang wurde in einer Interventionsstudie des Universitätsklinikums Freiburg näher untersucht.</strong> <em>Von M. Gärtner</em></p>
<p>Die Ernährungsweise gilt noch vor Rauchen und körperlicher Inaktivität als der größte Risikofaktor für nicht-übertragbare Erkrankungen (non-communicable diseases, NCDs). Diese NCDs stellen laut der Weltgesundheitsorganisation die Hauptursache für vorzeitigen Tod in den Industrienationen dar. Karies und Parodontitis gehören zu den häufigsten NCDs weltweit. Während die ätiologische Rolle der einfachen Kohlenhydrate (v.a. das Disaccharid Saccharose, bekannt als Haushaltszucker) auf die Kariesentstehung seit Jahrzehnten gut belegt ist, galt in der Entstehung der parodontalen Entzündung vor allem der Zahnbelag (Plaque) als Hauptursache. Mittlerweile zeigen jedoch immer mehr Untersuchungen, dass unabhängig vom Zahnbelag parodontale Entzündungen durch Ernährung relevant reduziert werden können.</p>
<p>Ziel der am Universitätsklinikum Freiburg durchgeführten klinischen Studie war es zu untersuchen, ob die Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) bei gleichbleibender Mundhygiene durch eine Ernährungsumstellung beeinflusst wird. Die Gingivitis zeigt sehr hohe Prävalenzraten. Epidemiologische Studien zeigen, dass die Prävalenzraten von Gingivitis (ausgedrückt durch einen mittleren Gingivalindex nach Löe und Silness (1963): GI &gt;0,5) bei Erwachsenen bei 90-100% liegen. Kinder sind ebenfalls betroffen. Laut der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie hatten nur 22,3% der untersuchten Kinder eine entzündungsfreie Gingiva (GI &lt;0,5). Eine andauernde Entzündung der Gingiva stellt ein potentielles Risiko für das Entwickeln einer Parodontitis dar. In Deutschland leidet bereits rund jeder zweite jüngere Erwachsene (35-44 Jahre) an der parodontalen Erkrankung.</p>
<p>Bei der Studie handelte es sich um eine prospektive, einfach verblindete, randomisierte Interventionsstudie im Parallelgruppendesign, welche als Folgestudie der Pilotstudie nach Woelber et al. (2016) durchgeführt wurde. Die Experimentalgruppe mit einer mundgesundheitsoptimierten Ernährung (n=15) wurde mit einer Kontrollgruppe (n=15) unter “western diet”-Bedingungen verglichen. Unter “western diet” wurde eine Ernährungsweise verstanden mit einem Kohlenhydratanteil von mind. 45 Energie% und reichlich prozessierten Lebensmitteln wie Weißmehl, zuckerhaltige Speisen und Getränke, gesättigte und erhitzte Fette. Der Studienzeitraum erstreckte sich über acht Wochen. Um einen gewissen Grad an möglicher gingivaler Entzündung untersuchen zu können, durften die Probanden über den Studienzeitraum hinweg keine Interdentalraumhygiene betreiben. Die Probanden wurden nach Plaque stratifiziert in beide Gruppen randomisiert eingeteilt (um ähnliche Plaquewerte und damit ein ähnliches Maß an Mundhygiene in beiden Gruppen zu erhalten). Als Einschlusskriterium mussten die Probanden u.a. mindestens eine leichte Gingvitis (GI &gt;0,5) aufweisen und sich nach einer westlichen Ernährungsweise im Sinne einer “western diet” ernähren. Der Prüfzahnarzt war bezüglich der Gruppenzugehörigkeit verblindet.</p>
<p>In den ersten zwei Wochen ernährten sich beide Gruppen nach einer gewohnten westlichen Ernährungsweise. Nach einer zweiwöchigen Umstellungsphase stellte die Experimentalgruppe ihre Ernährung für vier Wochen auf eine mundgesundheitsoptimierte Ernährung um. Diese beinhaltete einen weitestgehenden Verzicht einfacher und prozessierter Kohlenhydrate, gesättigter Fett- und Transfettsäuren sowie eine vermehrte Einnahme von nitrathaltigem Gemüse, Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffen, Antioxidantien, pflanzlichem Vitamin C und Vitamin D Supplementation je nach Serumlage mit 1000-3000 IE täglich. Die Kontrollgruppe behielt über die gesamte Studiendauer die westliche Ernährungsweise bei.</p>
<p>Während Plaque- und Gingiva-Index mit Ausnahme der Umstellungsphase wöchentlich erhoben wurden, mussten die Probanden in Woche zwei, fünf und acht ein ausführliches Ernährungstagebuch ausfüllen. Die Ernährungstagebücher wurden in eine Ernährungssoftware (PRODI ®) übertragen, um die aufgenommenen Makro- und Mikronährstoffe analysieren zu können. Die Ergebnisse zeigten, dass bei gleicher Abnahme der Plaquewerte (PI: ∆Exp. und ∆Kontrolle: -17,2%) sich die gingivale Entzündung in der Experimentalgruppe signifikant stärker reduzierte (GI: ∆Exp. vs. ∆Kontrolle: -40,8% vs. -19,6%, p=0,0275).</p>
<p>Bei den restlichen parodontalen Parametern (Sondierungstiefen und Bluten auf Sondieren) konnten ebenfalls positive Veränderungen gezeigt werden, jedoch nur teilweise statistisch signifikant. Darüber hinaus zeigte die Experimentalgruppe einen signifikant höheren Anstieg der Vitamin-D-Werte und einen signifikanten Gewichtsverlust. Bezüglich der serologischen Entzündungsmarker konnten keine signifikanten Ergebnisse beobachtet werden.</p>
<p>Die Auswertung der Ernährungstagebücher hat für die Experimentalgruppe im Vergleich von Woche zwei (vor Ernährungsumstellung) und Woche acht (nach Ernährungsumstellung) folgende Ergebnisse zeigen können:</p>

<table id="tablepress-8" class="tablepress tablepress-id-8">
<thead>
<tr class="row-1">
	<th class="column-1">Makronährstoffzusammensetzung</th><th class="column-2">Mikronährstoffe</th><th class="column-3">Sonstiges</th>
</tr>
</thead>
<tbody class="row-striping row-hover">
<tr class="row-2">
	<td class="column-1">Kohlenhydrate 47% vs. 42%</td><td class="column-2">Vitamin E: + 89%</td><td class="column-3">Kalorienaufnahme: - 31%<br />
<br />
2069kcal vs. 1432kcal</td>
</tr>
<tr class="row-3">
	<td class="column-1">Eiweiß 14% vs. 17%</td><td class="column-2">Vitamin K: + 168%</td><td class="column-3">gesättigte Fettsäuren: - 69%<br />
<br />
32,7g vs. 10,1g pro Tag</td>
</tr>
<tr class="row-4">
	<td class="column-1">Fett 39% vs. 41%</td><td class="column-2">Vitamin B6: + 47%</td><td class="column-3">Omega-3-Fettsäuren: + 184%<br />
<br />
1,2g vs. 3,5g pro Tag</td>
</tr>
<tr class="row-5">
	<td class="column-1"></td><td class="column-2">Vitamin C: + 207%</td><td class="column-3">Ballaststoffe: + 108%<br />
<br />
18,7g vs. 39,1g pro Tag</td>
</tr>
<tr class="row-6">
	<td class="column-1"></td><td class="column-2">Folsäure: + 97%</td><td class="column-3">Kochsalz: - 69%</td>
</tr>
<tr class="row-7">
	<td class="column-1"></td><td class="column-2">Magnesium: + 46%</td><td class="column-3"></td>
</tr>
<tr class="row-8">
	<td class="column-1"></td><td class="column-2">Calcium: - 43%</td><td class="column-3"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<!-- #tablepress-8 from cache -->
<p><em>Tabelle </em><em>1</em><em>: Ergebnisse der Experimentalgruppe: Veränderung der Ernährung von Woche zwei zu Woche acht</em></p>
<p>Wie können die oralen Werte eingeordnet werden? In beiden Gruppen sind gleichermaßen verringerte Plaquewerte gemessen worden. Dies ist aus Mundgesundheitsstudien bekannt und wird als Hawthorneeffekt bezeichnet. Unter Studienbedingungen putzen sich die Probanden unbewusst besser die Zähne.  Dennoch zeigt sich eine doppelt so große Entzündungsreduktion der Gingivitis in der Experimentalgruppe. Mit welchen Therapien können solche Reduktionen sonst erreicht werden? Für Zahnseide beispielsweise kann kein evidenzbasierter Einfluss auf die Gingivitis gezeigt werden, die Benutzung von Interdentalbürstchen konnte anhand einer Cochrane Metanalyse eine Reduktion um ca. 35% zeigen, sehr aufwendige Präventionskonzepte mit Instruktion und professionelle Zahnreinigung alle zwei Monate zeigen eine Gingivitisreduktion um ca. 50%. Bei diesen Methoden wurde jedoch die Plaquereduktion in den Fokus gerückt und so reduzierten sich die Plaquewerte der Probanden in diesen Studien stark. Ernährungsphysiologisch interessant ist der Aspekt, dass trotz der deutlich geringeren Kalorienaufnahme so viel mehr Mikronährstoffe aufgenommen worden sind.</p>
<p>Unter Berücksichtigung der Studienlimitationen konnte gezeigt werden, dass eine überwiegend pflanzenbasierte, niedrigglykämische Vollwertkost mit Supplementation von Vitamin D in der Lage ist, gingivale Entzündung in einem klinisch relevanten Bereich signifikant zu reduzieren.</p>
<p>Wie kann dieses Wissen nun aber umgesetzt werden? Wie bereits bekannt ist, handelt es sich bei dem Thema Ernährungsumstellung um ein komplexes und teilweise langwieriges Unterfangen. So darf bezweifelt werden, dass ein gutgemeinter Rat des (Zahn-)arztes ausreicht, um eben diese Ernährungsumstellung beim Patienten gelingen zu lassen. Dennoch sind immer mehr zahnärztliche Kollegen an einem kausalen Therapieansatz interessiert und darum sollte sich dafür eingesetzt werden, dass auch Zahnärzte eine Ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung für Ernährungsintervention nach § 43 SGB V ausstellen dürfen, um so interdisziplinär mit Ernährungswissenschaftlern und Ernährungsfachkräften zusammenarbeiten zu können. In einer solchen Ernährungsberatung wird sich dem Patienten drei Stunden angenommen, während wir als Zahnärzte oft nur ein paar Minuten zwischen zwei Füllungen entbehren können. Ungeachtet des Aspekts, dass wir in der Regel weder in Ernährungsmedizin noch in Beratung geschult sind. Als Zahnärzte haben wir den Vorteil, dass wir die Patienten schon viele Jahre früher mit diesen ernährungsbedingten Erkrankungen sehen, bevor andere chronische NCDs wie eine nichtalkoholische Fettleber, Diabetes oder das metabolische Syndrom diagnostiziert werden. So könnten Karies und Parodontitis als eine präventive Chance für die Gesunderhaltung unserer Patienten gesehen werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://daem.de/einfluss-der-ernaehrung-auf-orale-entzuendungen-eine-interventionsstudie-des-universitaetsklinikums-freiburg/">Einfluss der Ernährung auf orale Entzündungen: Eine Interventionsstudie des Universitätsklinikums Freiburg</a> erschien zuerst auf <a href="https://daem.de">DAEM</a>.</p>
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		<item>
		<title>Intestinales Mikrobiom und Atherosklerose</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2021 09:42:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das intestinale Mikrobiom ist für die Gesundheit bzw. die Genese verschiedener Erkrankungen von entscheidender Bedeutung. Die Zusammensetzung lässt sich u.a. durch die Ernährung und andere Lebensstil beeinflussen. Im folgenden Artikel wird insbesondere die Rolle des Mikrobioms für die Gefäßgesundheit und [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://daem.de/intestinales-mikrobiom-und-atherosklerose/">Intestinales Mikrobiom und Atherosklerose</a> erschien zuerst auf <a href="https://daem.de">DAEM</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-1295" src="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1031178730-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1031178730-1024x683.jpg 1024w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1031178730-300x200.jpg 300w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1031178730-768x512.jpg 768w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/shutterstock_1031178730-1536x1024.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></strong></p>
<p><strong>Das intestinale Mikrobiom ist für die Gesundheit bzw. die Genese verschiedener Erkrankungen von entscheidender Bedeutung. Die Zusammensetzung lässt sich u.a. durch die Ernährung und andere Lebensstil beeinflussen. Im folgenden Artikel wird insbesondere die Rolle des Mikrobioms für die Gefäßgesundheit und die Entstehung der Atherosklerose fokussiert</strong>. <em>Von Prof. Dr. med. H.M. Steffen, Universität Köln</em></p>
<p>Mit der rasanten Entwicklung molekularbiologischer Techniken ist es möglich geworden, nicht nur die Mikroorganismen eines definierten Ökosystems zu klassifizieren (Mikrobiota), sondern auch deren genetisches Material (Mikrobiom) und metabolische Aktivität (Metabolom) zu analysieren. Von besonderer Bedeutung ist das intestinale Mikrobiom mit geschätzt 10<sup>13</sup>-10<sup>14</sup> Bakterien aus ca. 1.000 Spezies und einer im Vergleich zum menschlichen Wirt um den Faktor 100-150fach größeren Menge an genetischer Information. Zu dem komplexen Ökosystem – der Mensch kann auch als Superorganismus verstanden werden – gehören neben Bakterien auch Archaeen, Pilze, Viren und Bakteriophagen, deren Bedeutung für Krankheit und Gesundheit bisher aber noch wenig untersucht worden ist.</p>
<p>Fünf Phyla determinieren im Wesentlichen die Zusammensetzung der menschlichen Mikrobiota: <em>Bacteroidetes</em>, <em>Firmicutes</em>, <em>Actinobacteria</em>, <em>Proteobacteria</em> und <em>Verrucomicrobia</em>. In einem gesunden Darm gehören &gt;90% aller bakteriellen Spezies zu den Phyla <em>Bacteroidetes</em> und <em>Firmicutes</em>, wobei große Unterschiede in der relativen Verteilung der vorherrschenden Spezies bestehen, die abhängig sind von der Genetik des einzelnen Individuums, Lebensstil, Hygiene, Ernährung und Medikamenteneinnahme, z.B. Antibiotika, Metformin, Protonenpumpenhemmer, Antipsychotika. Durch strukturelle Komponenten der Bakterien, z.B. Lipopolysaccharide und Peptidoglykane, können Gefäßwandschäden über Interaktion mit spezialisierten Rezeptoren vermittelt werden oder auch durch direkte Einwirkung bioaktiver Stoffwechselprodukte, z.B. Trimethylamin-N-Oxid (TMAO), kurzkettige Fettsäuren und Gallensäuren.</p>
<p>Zum ersten Mal wurde 1992 bei Teilnehmern der Helsinki Heart Study bakterielle DNA, in diesem Fall von C.pneumoniae, in atherosklerotischen Plaques beschrieben. Zahlreiche weitere Untersuchungen haben in der Zwischenzeit DNA einer Reihe anderer Bakterien nachgewiesen, u.a. auch der Phyla <em>Firmicutes </em>und <em>Proteobacteria</em> im Fettgewebe bei adipösen Patienten oder Diabetikern. Patienten mit zerebrovaskulären Ereignissen und atherosklerotischen Carotis-Plaques wiesen im Stuhl vermehrt den Genus <em>Collinsella</em> auf, dagegen war der Anteil an <em>Eubacterium</em> und <em>Roseburia </em>bei den gesunden Kontrollen erhöht. Auf der funktionellen Ebene konnte dabei gezeigt werden, dass bei den symptomatischen Patienten vermehrt Gene exprimiert wurden, die mit der Peptidoglykan Biosynthese verbunden sind und daher zu einer Stimulation des angeborenen Immunsystems mit nachfolgend gesteigerter Neutrophilen Funktion geführt haben könnten. Im Gegensatz dazu ließ sich bei den Kontrollen eine vermehrte Expression von Genen nachweisen, die bei der Synthese anti-entzündlicher Moleküle beteiligt sind. Die Genera <em>Clostridium</em> und <em>Peptostreptococcus</em> waren dabei negativ mit dem hoch-sensitiven C-reaktiven Protein (hsCRP) im Serum korreliert, einem Entzündungsmarker mit bekanntermaßen hoher Assoziation zu einem erhöhten kardiovaskulären Risiko.</p>
<p>Über die unterschiedliche Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota hinaus ist das metabolische Potenzial der Bakterien als wesentlicher Faktor für die Entwicklung einer Atherosklerose identifiziert worden, und hier insbesondere die Fähigkeit zur Produktion von Trimethylamin (TMA) aus drei Nahrungsbestandteilen pflanzlicher und tierischer Herkunft. Phosphatidylcholin (Lecithin) kommt reichlich in der menschlichen Galle und verschiedenen tierischen, aber auch pflanzlichen Produkten vor. L-Carnitin ist in großen Mengen in rotem Fleisch vorhanden und Cholin vor allem in Leber und Eigelb. TMA wird in der Leber von Flavin-abhängigen Monooxygenasen (FMO, insbesondere FMO3) oxidiert. Unter ca. 4.000 Patienten, bei denen aus diagnostischen Gründen eine elektive Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt wurde, waren die Gesamtsterblichkeit sowie die Rate nicht-tödlicher Myokardinfarkte oder Schlaganfälle über einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren bei steigenden TMAO-Plasmaspiegeln höher. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für traditionelle Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Blutdruck, LDL- und HDL-Cholesterin, Diabetes und hsCRP statistisch signifikant. In einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse mit Einschluss von ca. 19.000 Patienten aus 19 prospektiven Studien wurde die prognostische Wertigkeit von TMAO-Plasmaspiegeln und seinen Vorläufern (L-Carnitin, Cholin, Betain) sowohl für kardiovaskuläre Ereignisse als auch die Gesamtsterblichkeit bestätigt.</p>
<p>Beim Vergleich von Veganern/Vegetariern und Omnivoren fiel nicht nur der Anstieg der TMAO-Plasmaspiegel nach oraler Zufuhr von L-Carnitin bei Letzteren stärker aus, es fanden sich zudem deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota, u.a. der Gattung <em>Clostridium</em> und <em>Lachnospira</em>. Als wesentlichen Mechanismus der pro-atherogenen Wirkung des TMAO konnte eine Hemmung des reversen Cholesterintransports identifiziert werden. Die TMAO-Bildung lässt sich durch die Gabe von Antibiotika supprimieren und im Stuhl der Patienten mit Atherosklerose wurden mikrobielle Enzyme, die in die TMA-Bildung involviert sind, vermehrt exprimiert. Andererseits reduzieren Antibiotika die bakterielle Vielfalt, die charakteristisch für die ausgewogene (Eubiose) im Gegensatz zu gestörten (Dysbiose) Zusammensetzung der Mikrobiota ist. Letztere könnte möglicherweise den beobachteten Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Ereignissen und Dauer bzw. Häufigkeit einer antibiotischen Therapie im jungen und mittleren Erwachsenenalter erklären. Auf der Suche nach nicht-antibiotischen Hemmstoffen der TMA-Produktion wurde 3,3-dimethyl-1-butanol (DMB), ein Strukturanalogon des Cholin, identifiziert. Tierexperimentell konnte gezeigt werden, dass damit nicht nur die TMAO-Plasmaspiegel unter Cholin- oder L-Carnitinreicher Kost gesenkt werden, sondern auch das Ausmaß atherosklerotischer Läsionen.</p>
<p>Aus zwei kürzlich publizierten Untersuchungen lassen sich einfache Empfehlungen für die kardiovaskuläre Prävention ableiten. Der Vergleich von Veganern/Vegetariern und Omnivoren zeigte bei einer oralen Gabe von radioaktiv markiertem L-Carnitin für letztere einen etwa 20-fach höheren Anstieg der TMAO-Plasmaspiegel. Auch beim Menschen wurde der Stoffwechselweg der intestinalen Mikrobiota vom L-Carnitin über γ-Butyrobetain (γ-BB) zum TMA nachgewiesen. Der zweite Schritt ist dabei offenbar durch chronische L-Carnitin Exposition induzierbar und geht einher mit dem Nachweis von <em>Emergencia timonensis, </em>einer erst kürzlich beschriebenen Spezies aus der Ordnung <em>Clostridiales</em>. Der Konsum von rotem Fleisch war verbunden mit einer im Mittel um den Faktor 3 gesteigerten TMAO Produktion aus L-Carnitin und gleichzeitig verminderter TMAO Exkretion im Urin. Diese Veränderungen hatten sich nach 4 Wochen Ernährung ohne rotes Fleisch wieder zurückgebildet.</p>
<p>Im Sinne der kardiovaskulären Prävention kann damit die Empfehlung für eine obst- und gemüsereiche Kost, unter Verzicht zumindest auf rotes Fleisch, auch durch die Studienergebnisse zum intestinalen Mikrobiom unterstützt werden.</p>
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		<title>Blutfette, kardiovaskuläre Erkrankung und Mortalität – Eiverzehr neuerlich entlastet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raynor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2021 09:56:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Ernährungsmediziner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Studie von Dehghan M, Mente A, Rangarajan S et al., on behalf of the PURE investigators. Association of egg intake with blood lipids, cardiovascular disease, and mortality in 177,000 people in 50 countries. Am J Clin Nutr 2020; 111: [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-1298" src="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/jakub-kapusnak-Hj53USePB1E-unsplash-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/jakub-kapusnak-Hj53USePB1E-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/jakub-kapusnak-Hj53USePB1E-unsplash-300x200.jpg 300w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/jakub-kapusnak-Hj53USePB1E-unsplash-768x512.jpg 768w, https://daem.de/wp-content/uploads/2021/08/jakub-kapusnak-Hj53USePB1E-unsplash-1536x1024.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Eine Studie von Dehghan M, Mente A, Rangarajan S et al., on behalf of the PURE investigators. Association of egg intake with blood lipids, cardiovascular disease, and mortality in 177,000 people in 50 countries. Am J Clin Nutr 2020; 111: 795-803.</p>
<p><strong>Zusammengefasst von Dr. Walter Burghardt.</strong></p>
<p>Eier enthalten viele essentielle Nährstoffe, aber auch Cholesterin. Einige Leitlinien schränken den Eiverzehr zur Prävention von Dyslipidämien und kardiovaskulärer Morbidität ein, doch dies ist umstritten.</p>
<p>Untersucht wurden in einer internationalen prospektiven Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology, PURE) 146.011 Personen, in zwei weiteren multinationalen prospektiven Studien (Ongoing Telmisartan Alone and in Combination with Ramipril Global End Point Trial, ONTARGET; Telmisartan Randomized Assessment Study in ACEI Intolerant Subjects with Cardiovascular Disease, TRANSCEND) 31.544 Patienten. Die Daten wurden mittels validierter Fragebögen über das Verzehrverhalten im vorangegangenen Jahr ermittelt, eine Adjustierung erfolgte in der PURE- (und vergleichbar in der ONTARGET- und TRANSCEND-Studie) für Alter, Geschlecht, Rauchverhalten, Wohnort, Erziehung/Bildung, körperliche Aktivität, Diabetesanamnese, Verzehr von Obst, Gemüse, rotem Fleisch, Geflügel und Fisch sowie für die tägliche Energiezufuhr und deren Kohlenhydratanteil.</p>
<p>In der PURE-Studie (Start 2003, Follow-up bis 2019) wurden 8.932 Todesfälle und 8.477 kardiovaskuläre Ereignisse gezählt. Dabei war ein hoher Eiverzehr (≥7 Eier/Wo vs. &lt;1 Ei/Wo) wie auch ein gradueller Anstieg des Eiverzehrs nicht signifikant assoziiert mit Blutfetten (Ges-C 4,89 ± 0,05 vs. 4,90 ± 0,05 mmol/l, p-trend = 0,24; LDL-C 3,08 ± 0,05 vs. 3,07 ± 0,05 mmol/l, p-trend = 0,44; HDL-C 1,20 ± 0,02 vs. 1,21 ± 0,02 mmol/l, p-trend = 0,25; TG 1,54 ± 0,04 vs. 1,57 ± 0,04 mmol/l, p-trend = 0,90; ApoB 1,02 ± 0,02 vs. 1,01 ± 0,02 mmol/l, p-trend = 0,06), der Gesamtheit von kardiovaskulären Ereignissen und Todesfällen (HR 0,96; 95%-CI 0,89-1,04; p-trend = 0,74), der Gesamtmortalität (HR 1,04; 95%-CI 0,94-1,15; p-trend = 0,38) oder größeren kardiovaskulären Ereignissen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz (HR 0,92; 95%-CI 0,83-1,01; p-trend = 0,20). Vergleichbare Daten ergaben sich aus den ONTARGET/TRANSCEND-Studien (Start 2002-2003 bzw. 2001-2004, mittleres Follow-up 56 Mo) für die Gesamtheit von kardiovaskulären Ereignissen und Todesfällen (HR 0,97; 95%-CI 0,76-1,25; p-trend = 0,09), für die Gesamtmortalität (HR 0,88; 95%-CI 0,62-1,24; p-trend = 0,55) und für größere kardiovaskuläre Ereignisse (HR 0,97; 95%-CI 0,73-1,29; p-trend = 0,12). In der PURE-Studie war der höhere Eiverzehr mit einem niedrigeren systolischen und diastolischen Blutdruck assoziiert (131,4 ± 0,75 vs. 132,7 ± 0,74 mmHg, p-trend &lt;0,001 bzw. 82,6 ± 0,62 vs. 83,6 ± 0,62 mmHg, p-trend &lt;0,001).</p>
<p>In 3 großen internationalen (50 Länder, 6 Kontinente) prospektiven Studien mit Einschluss von ~ 177.000 Personen, 12.701 Todesfällen und 13.658 kardiovaskulären Ereignissen fanden sich keine signifikanten Assoziationen zwischen Eiverzehr (≤1 bis ≥7/Wo) und Blutfetten, größeren kardiovaskulären Ereignissen und Mortalität. Moderater Eiverzehr (1 Ei/Tag) erhöhte nicht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankung oder Sterblichkeit bei Personen mit oder ohne Vorgeschichte mit kardiovaskulärer Erkrankung oder Diabetes. Auch fand sich keine signifikante Beziehung zwischen Nahrungscholesterin und Blutfetten. In der PURE-Studie, allerdings nicht in den beiden anderen Studien, fand sich sogar eine Assoziation zwischen höherem Eiverzehr und niedrigerem Risiko für Myokardinfarkt.</p>
<p>Die Gesamtheit von bisherigen Beobachtungsstudien, randomisierten Untersuchungen und Tierstudien zeigt einen geringen Effekt von Nahrungscholesterin auf Blutfette, kardiovaskuläre Erkrankung oder Mortalität. In den amerikanischen Leitlinien 2015-2020 wurde die Beschränkung auf 300 mg Nahrungscholesterin pro Tag bereits entfernt. Eine Kommission für gesunde Ernährung (EAT-Lancet 2019) empfahl kürzlich zwar eine Beschränkung auf 1,5 Eier/Wo, betonte aber, dass ein höherer Eiverzehr eine Kost minderer Qualität, wie sie oft von Personen mit geringem Einkommen verzehrt werde, aufbessern könne.</p>
<p>Eine fehlende Assoziation zwischen moderatem Eiverzehr (1 Ei/Tag) und gesundheitlichem Outcome wurde bereits in der Mehrheit bisheriger Untersuchungen einschließlich Metaanalysen berichtet, so in der Health-Professionals-Follow-Up-Studie (n = 37.851) und in der Nurses’-Health-Studie (n = 80.082). Demgegenüber fand eine kürzliche Auswertung der Daten der China-Kadoorie-Biobank (Qin et al. 2018) eine Assoziation zwischen höherem Eiverzehr und niedrigerem kardiovaskulärem Risiko, eine Studie aus den USA eine Assoziation mit einem höheren kardiovaskulären Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko (Zhong et al. 2019), wobei in letzterer Untersuchung allerdings der Befund erniedrigter Non-HDL-Cholesterin- und systolischer Blutdruckwerte zu diesem Ergebnis kontrastiert. Die unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse sind nicht ohne Weiteres erklärbar, die Studienautoren diskutieren Effekte der Basisernährung und eine durch den höheren Eiverzehr erreichte Veränderung der Eiweißqualität.</p>
<p>Der fehlende Nachweis einer ungünstigen Wirkung des Eiverzehrs in den referierten Studien gilt für gesunde Individuen wie auch für solche mit manifester vaskulärer Erkrankung, unabhängig von Art oder Kombination einer Medikamenteneinnahme. Während Teilnehmer der PURE-Studie vorwiegend aus Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen stammten, waren die Teilnehmer der ONTARGET- und TRANSCEND-Studie mehrheitlich aus Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen. Insofern bildet die referierte Studie ein großes Spektrum an Ernährungsqualität, sozioökonomischem Status und Lebensstil ab.</p>
<p>Nahrungscholesterin hat nur einen moderaten Einfluss auf die Blutspiegel von Gesamt- und LDL-Cholesterin, während die Phospholipide in Eiern die HDL-Cholesterinspiegel im Blut anheben. Der Effekt des Eiverzehrs hängt auch vom Ernährungsstil unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen ab (z.B. kohlenhydratarme- oder -reiche Kost). So bessert eine Ergänzung des Kohlenhydratangebots durch Eiweißsubstitution das Lipidprofil im Blut, senkt den Blutdruck und in der Folge das kardiovaskuläre Risiko. Zudem können die Phospholipide aus Eiern bei übergewichtigen und adipösen Individuen antiinflammatorische Effekte entwickeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
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