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Wissenshäppchen: Erkenntnisse aus dem EMA-Seminar „Ernährungsmedizinische Teams im Krankenhaus erfolgreich etablieren – vom Konzept bis zur Umsetzung“

Mangelernährung im Krankenhaus ist häufig, klinisch relevant und dennoch strukturell oft unzureichend adressiert. Im EMA-Seminar zeigten Monika und Gert Bischoff praxisnah, wie ernährungsmedizinische Teams aufgebaut und nachhaltig implementiert werden können – einschließlich strategischer Ansätze zur Einbindung zentraler Akteur:innen und zur Verankerung in klinischen Strukturen.

Struktur: Team statt Einzelkämpfer

Zentrale Voraussetzung ist ein funktionierendes Ernährungsteam aus Ernährungsmediziner:in und qualifizierter Ernährungsfachkraft. Ernährungsmedizin ist ein Querschnittsfach und erfordert die enge Zusammenarbeit mit Pflege, Küche, Verwaltung und weiteren Disziplinen. Entscheidend ist ein pragmatischer Einstieg: kleine, funktionierende Strukturen sind langfristig erfolgreicher als ambitionierte, aber nicht umsetzbare Gesamtkonzepte.

Finanzierung: Zwischen DRG-System und neuen Ansätzen

Die Refinanzierung erfolgt aktuell primär indirekt über das DRG-System, etwa durch Codierung von Mangelernährung als Nebendiagnose oder ernährungstherapeutischer Maßnahmen als Prozeduren. Der OPS-Code für die ernährungsmedizinische Komplexbehandlung (8-98j) bildet die Leistung zwar strukturiert ab, ist bislang jedoch nur eingeschränkt erlösrelevant.

Neue Perspektiven eröffnen Qualitätsverträge nach §110a SGB V: Sie ermöglichen erstmals eine direkte Vergütung ernährungsmedizinischer Leistungen und fördern eine strukturierte Versorgung. Erste Erfahrungen zeigen sowohl eine verbesserte Versorgungsqualität als auch eine verlässlichere Finanzierung entsprechender Strukturen.

Praxisbeispiel: Mangelernährung systematisch angehen

Ein niedrigschwelliger Einstieg gelingt über ein standardisiertes Screening bei Aufnahme, z. B. mittels NRS-2002, mit automatisierter Einbindung des Ernährungsteams bei auffälligen Befunden. Ergänzt durch Assessment, individuelle Therapieplanung und Verlaufskontrollen entsteht ein klar strukturierter Behandlungspfad.

Die klinische Relevanz ist deutlich: In Erhebungen liegt die Energieaufnahme hospitalisierter Patient:innen teils bei nur etwa 400 kcal/Tag. Evidenz aus randomisierten Studien zeigt, dass eine individualisierte Ernährungstherapie Mortalität und Komplikationen signifikant reduziert und zugleich kosteneffektiv ist.

Limitationen und Herausforderungen

Die Umsetzung bleibt kontextabhängig: Ressourcen, Personalverfügbarkeit und klinikinterne Prozesse variieren erheblich. Zudem ist die aktuelle Erlössituation weiterhin begrenzt und erfordert fundierte Kenntnisse zu Kodierung und Kostenstrukturen. Auch der Transfer evidenzbasierter Konzepte in den Versorgungsalltag gelingt nicht überall gleichermaßen.

Implikationen für die Praxis

Für die klinische Praxis ergibt sich ein klarer Handlungsauftrag:
Strukturiertes Screening, frühzeitige Intervention und interprofessionelle Zusammenarbeit können Behandlungsergebnisse messbar verbessern. Bereits kleine organisatorische Schritte – etwa automatisierte Konsile oder klar definierte Behandlungspfade – ermöglichen einen realistischen Einstieg. Perspektivisch gewinnen zudem Qualitätssicherungsinstrumente und Zertifizierungen an Bedeutung für Sichtbarkeit und Versorgungsstandard. In diesem Kontext tragen unabhängige Zertifizierungssysteme wie nutriZert – Zertifikate für ernährungsmedizinische Einrichtungen – dazu bei, strukturelle und personelle Qualitätskriterien transparent abzubilden und die Vergleichbarkeit ernährungsmedizinischer Versorgungsangebote zu erhöhen.

Zu den Referierenden

Monika Bischoff ist Diplom-Ökotrophologin mit langjähriger Erfahrung in der klinischen Ernährungsmedizin. Dr. med. Gert Bischoff ist Internist und Ernährungsmediziner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) sowie in mehreren Fachgesellschaften aktiv. Gemeinsam leiten sie das Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) am Krankenhaus Barmherzige Brüder München und engagieren sich seit vielen Jahren für die strukturelle Verankerung der Ernährungsmedizin im klinischen Alltag.

 

Wer sich vertieft mit aktuellen Themen der Ernährungsmedizin beschäftigen möchte, findet in der Online-Seminarreihe „Ernährungsmedizin aktuell – Neues aus Forschung und Praxis“ regelmäßig kompakte, evidenzbasierte Einblicke in klinisch relevante Fragestellungen.